Industrie : Bahnhersteller verlieren Millionen

Verspätet ausgelieferte Züge drücken Gewinn. Die Branche schiebt die Schuld auf den Staat

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Die deutsche Bahnindustrie beklagt beträchtliche Gewinneinbußen, weil viele neu gebaute Züge lange auf ihre Zulassung durch das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) warten müssen. „Dadurch haben wir 500 Millionen Euro vom operativen Ergebnis verloren“, sagte Michael Clausecker, Präsident des Bahnindustrie-Verbands, am Dienstag in Berlin. „Das ist ein Zustand, der nur sehr schwer zu ertragen ist.“ Ohnehin geht die Branche schlechteren Zeiten entgegen – die Firmen sammelten Aufträge für nur noch 10,5 Milliarden Euro ein, das waren 27 Prozent weniger als noch im Vorjahr.

Clausecker, ebenfalls Deutschland-Chef des hiesigen Branchenführers Bombardier, machte auch die Politik für die Probleme verantwortlich. „Das Bundesverkehrsministerium hat drei Jahre lang zugesehen, wie sich die Zulassungskrise immer weiter verschärft hat“, monierte der Manager. Erst seit kurzem gehe es wieder in die richtige Richtung. „Man sollte meinen, dass sich eine Behörde an Recht und Gesetz halten muss“, urteilte er. Das EBA habe aber offenbar noch viel Spielraum bei seinen Aktivitäten.

Die großen Hersteller, Bombardier, Siemens, Alstom und Stadler Rail, liegen mit der Behörde im Clinch, weil sie ihrer Meinung nach oft ohne fachliche Grundlage Normen und Vorschriften ändert, so dass fertige Züge oft wieder umgebaut werden müssen. Die Industrie verlangt daher, Organisationen wie den Tüv in die Zulassung von Zügen einzubinden.

Die Behörde kontert, die Unternehmen seien meist selbst für Verzögerungen verantwortlich, weil sie zu spät und unzureichende Zulassungsunterlagen vorlegten. Bombardier konnte monatelang Dutzende Züge der Regionalbahn Talent 2 nicht ausliefern, Siemens bekommt derzeit keine Zulassung für mehr als ein Dutzend fertig produzierte Velaro-Schnellzüge, eine Weiterentwicklung des ICE.

Die Hersteller kamen 2012 auf 10,7 Milliarden Euro Umsatz, der zweithöchste Wert der Branchengeschichte. Drei Viertel davon entfallen auf Schienenfahrzeuge, der Rest auf Infrastruktur-Ausrüstungen. Jeder zweite Euro kommt aus dem Auslandsgeschäft.

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