Wirtschaft : Industrie kritisiert Defizite der Bahn

PETER BOLM

BERLIN .Hat der Schienenverkehr in Deutschland eine wirtschafliche Zukunft? Trotz zahlreicher Innovationsschübe tun sich Industrie wie Betreiber immer noch schwer damit, die Wirtschaftlichkeit der Eisenbahn als Gesamtsystem spürbar auszubauen.Als Beispiele für diese Unbeweglichkeit nennt der Verbandspräsident der Deutschen Bahnindustrie, Peter Witt, revolutionäre Entwicklungen wie die Umstellung im Antrieb von Dampf auf Elektro, neue Bremssysteme oder durchgehend geschweißte Schienensträge, die zwar auf Teilgebieten zu Erleichterungen führten, aber insgesamt keine durchgreifende ökonomische Weichenstellung zur Folge hatten.Wirtschaftlichkeit im Detail, so Witt am Donnerstag auf einem Fachseminar am Produktionstechnischen Zentrum PTZ, führe nicht automatisch zur Wirtschaftlichkeit des Gesamtsystems Eisenbahn.

Entscheidend für das ökonomische Bummeltempo waren die Belastungen, die in den zurückliegenden zehn Jahren von der Bahn bewältigt werden mußten.An die erste Stelle rückt Witt die kurzen Zeitspannen, die vor dem Hintergrund der größer gewordenen Wettbewerbsnachteile herhalten mußten, um Neuerungen einzuführen.Die Folge waren Kinderkrankheiten, die in der Serienfertigung nicht ohne Auswirkungen blieben.Gleichzeitig ging die Bahn als Monopolist dazu über, den technischen Fortschritt nun der Privatindustrie aufzubürden.Die durch die Wiedervereinigung notwendig gewordene Umstrukturierung der Schienenfahrzeug-Industrie, Globalisierung und Preisverfall taten ein übriges.

Die in dieser schwierigen Phase ausgelösten Innovationszwänge stellt Witt nicht in Frage.Dennoch genüge es nicht, innovative Ideen zu entwickeln und deren Funktion allein im Labor oder auf dem Testring nachzuweisen.Wichtig seien vor allem zuverlässige Umsatzstrategien bei der Einführung der Fahrzeuge in das Seriengeschäft.Gerade hier sieht der Verbandspräsident unübersehbare Defizite.Um die wirtschaftliche Zukunft des Schienenfahrzeugbaus zu garantieren, fordert Peter Witt das Abarbeiten dieser Defizite und die schnelle Einführung vorhandener neuester Technologien.Einen klaren Auftrag bekamen dabei die Zulieferer.Die Störanfälligkeit entsprechender Komponenten müßte deutlich verbessert werden.

Neben technologischen Sprüngen bei der Gewichtseinsparung, der Antriebstechnik, den Werkstoffen, der Klimatechnik oder der Sicherheit geht es Witt bei den Zukunftsperspektiven des Schienenverkehrs aber auch um den Verbund von Fahrzeug, Fahrweg und Logistik.Ohne Innovationen für die Wege und die Logistikfunktionen sei das Gesamtsystem Bahn wirtschaflich nicht überlebensfähig.

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