Industrie und Verbraucher : Eigenlob und Optimismus

Der neue BDI-Präsident Ulrich Grillo traut der deutschen Wirtschaft mehr zu als die Regierung. Das erwartete Wirtschaftswachstum in diesem Jahr macht auch die Verbraucher zuversichtlicher.

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Volle Taschen. Die Deutschen wollen sich 2013 wieder mehr leisten, das Konsumklima bessert sich.
Volle Taschen. Die Deutschen wollen sich 2013 wieder mehr leisten, das Konsumklima bessert sich.Foto: dapd

Berlin - Verbraucher und Industrie gehen optimistisch ins Jahr 2013. Mit der Aussicht auf eine baldige Erholung der Konjunktur erwarten die Deutschen, dass ihre Einkommen tendenziell steigen und größere Anschaffungen möglich sind. Dies ergab die jüngste Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Nach Einschätzung der Industrie wird sich die Wirtschaftslage in Deutschland in den kommenden Monaten stärker aufhellen, als zum Beispiel die Bundesregierung erwartet. „Prognosen von 0,8 Prozent halten wir für plausibel“, sagte der neue Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, am Dienstag in Berlin. Die Regierung geht nur von einem halb so starken Wachstum von 0,4 Prozent im laufenden Jahr aus. Der IWF erwartet 0,6 Prozent.

Das Winterhalbjahr werde zwar noch schwierig, warnte Grillo. Für „hektische konjunkturpolitische Maßnahmen“ gebe es aber dennoch keinen Grund. Bei den gut 100 000 Unternehmen, die in 38 Mitgliedsverbänden des BDI organisiert sind, bestehe die berechtigte Hoffnung auf eine „deutliche wirtschaftliche Belebung ab dem Frühjahr“. Impulse kämen dabei vor allem aus dem Ausland, insbesondere aus Nordamerika und China. Grillo rechnet mit einem Anstieg der Exporte um drei Prozent. Auch die Ausrüstungsinvestitionen der deutschen Unternehmen würden im zweiten Halbjahr wieder zunehmen.

In Europa sei die deutsche Industrie zum Vorbild geworden. „Ohne unsere Industrie hätten wir die Krise nicht überstanden“, sagte der BDI-Präsident. Zu Recht stelle das neue industriepolitische Konzept der EU-Kommission die Stärkung der europäischen Industrie in den Mittelpunkt. Dabei müsse aber die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit – auch in der Energie-, Klima- und Umweltpolitik – im Mittelpunkt stehen. „Wir Deutschen werden auf diesen Gebieten die Welt nicht alleine retten“, sagte Grillo.

Mit Blick auf die Energiewende begrüßte der BDI-Chef den Vorschlag von Umweltminister Peter Altmaier (CDU) für eine Strompreisbremse. Die Energiekosten in Deutschland gehörten zu den höchsten der Welt. Auch wenn die Preise an der Strombörse zuletzt gefallen seien, gebe es keinen Anlass, Erleichterungen für besonders energieintensive Unternehmen zurückzunehmen. „Die Industrie interessiert sich nur für die relativen Kosten im Vergleich zum Ausland“, sagte Grillo. Auch dort seien die Energiekosten gesunken. Unternehmen in den USA oder in Frankreich könnten mit rund 25 bis 50 Prozent niedrigeren Strompreisen als in Deutschland kalkulieren. Gleichzeitig spiele dort die Industrie eine weitaus geringere Rolle als in Deutschland, wo der Sektor etwa 23 Prozent zur Wirtschaftsleistung des Landes beitrage.

Etwa 60 Prozent des deutschen Bruttoinlandsproduktes entfallen auf den privaten Konsum. Angesichts der positiven Konjunkturaussichten, eines robusten Arbeitsmarktes und stabiler Preise tritt die Schuldenkrise bei den deutschen Verbrauchern derzeit in den Hintergrund. Obwohl die Schuldenkrise auch nach Meinung von BDI-Präsident Grillo noch nicht überwunden ist. Das am Montag veröffentlichte GfK-Konsumklima für Februar, das auf der Befragung von 2000 Verbrauchern beruht, legte um 0,1 auf 5,8 Punkte zu und zeigte damit nach drei Monaten mit Rückgängen erstmals wieder nach oben. Sinkt das Risiko, den Job zu verlieren, lässt es sich leichter planen: Die Verbraucher schätzen auch deshalb ihre künftige Finanzlage deutlich besser ein als zuletzt. Mit einem Plus von knapp 15 Punkten erreicht das entsprechende Barometer der GfK nunmehr 36 Zähler.

Ob die Konsumausgaben aber 2013 die deutsche Wirtschaft anschieben können, hängt vom weiteren Verlauf der Krisenbewältigung im Süden Europas ab. Hier gebe es durchaus Fortschritte, „die uns auch einen gewissen Respekt abnötigen sollten“, sagte BDI-Präsident Grillo.

Bei einem Abendempfang anlässlich der Amtsübergabe des bisherigen BDI- Präsidenten Hans-Peter Keitel an seinen Nachfolger Grillo feierte am Dienstag im Berliner Schlüterhof auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit.

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