Wirtschaft : Infineon-Aktionäre brauchen Geduld

Daniel Rhee-Piening

Die Aktie erfreut sich in Deutschland immer größerer Wertschätzung. In der Tat: Immer mehr Deutsche sind direkt oder indirekt Anteilseigner eines oder mehrerer Unternehmen. Auf die Papiere der Siemens-Tochter Infineon gibt es seit Zeichnungsbeginn einen Run. Das kommt keineswegs überraschend. Es sieht aus wie die Wiederholung der T-Aktien-Euphorie. Am Freitag war die Emission von Infineon bereits 30fach überzeichnet. Über fünfeinhalb Milliarden Stück wurden bei den Banken und Sparkassen bestellt. Doch der Umgang mit den potenziellen Aktionären wird Einigen von ihnen ein für alle Mal die Lust auf Aktien austreiben. Die Verteilung der Aktien soll am Sonntag festgelegt werden. Doch nach welchen Regeln? Wird das Los entscheiden? Gibt es Quoten? Macht Infineon Vorgaben? Wird jede Bank alleine entscheiden? Die Beteiligten wissen es selbst noch nicht. Und wie soll die Masse der Interessenten informiert werden? Sicherlich: Die Banken haben ihr Personal verstärkt, die Besetzung der Call-Center ist erhöht worden. Doch darüber hinaus wird abgewiegelt. Es besteht die Gefahr, dass am Montag der Handel mit einem Papier aufgenommen wird und ein Großteil der Zeichner nicht einmal weiß, ob er überhaupt Infineon-Aktien zugeteilt bekommen hat. Hat eigentlich niemand darüber nachgedacht, den Börsenhandel erst ein paar Tage nach Festsetzung des Emissionspreises und der Zuteilung beginnen zu lassen? Es ist an der Zeit, dass klare Regeln für die Zuteilung bei Neuemissionen und die Information der Anleger aufgestellt werden. Wer so wie die Banken mit den Infineon-Interessenten umgeht, läuft Gefahr, die aufkeimende Aktienkultur wieder zu ersticken.

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