Wirtschaft : Infineon an der Schmerzgrenze

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Von Henrik Mortsiefer

Ulrich Schumacher ist kein Scharfmacher. Aber der InfineonChef testet gern die Schmerzgrenzen seiner Gesprächspartner: So schlug er kürzlich den Gewerkschaften die Einführung der Sieben-Tage-Woche vor. Oder er setzte die rot-grüne Steuer- und Arbeitsmarktpolitik unter Erfolgsdruck, indem er androhte, den Konzernsitz ins Ausland zu verlagern. Und die eigene Belegschaft brachte Schumacher in Aufruhr, als er ein Leistungsprogramm zu installieren versuchte, mit dem er pro Jahr fünf Prozent der schwächsten Mitarbeiter entlassen wollte. In allen drei Fällen blieb es bei Ankündigungen. Am Standort Deutschland kann Schumacher einfach nicht so, wie er gerne will.

Die Konsequenz: Infineon verlagert peu à peu Betriebsteile ins Ausland. Die Buchhaltung wird schon von Portugal aus gemacht. Im Speicherchipgeschäft wurden Tausende Arbeitsplätze gestrichen oder neu verteilt. Und jetzt soll auch bei so genannten Logikchips die Profitabilität erhöht werden. 350 Stellen fallen in Regensburg weg und werden demnächst an preiswerteren Standorten in Asien wieder aufgebaut.

Infineon muss weiter sparen, weil der Konzern, wie andere Chiphersteller auch, die Marktlage falsch eingeschätzt und mit einer schnelleren Erholung der extrem schwankenden Branche gerechnet hat. Da helfen Produktivitätsfortschritte wie im hochmodernen Werk in Dresden allein nicht aus. Um den Anschluss an die Konkurrenz nicht zu verlieren, müssen die Deutschen vor allem in Asien aufholen. Derzeit liegt Infineon dort mit einem Marktanteil von 3,2 Prozent nur auf Rang sieben. Zu wenig auf einem Markt, auf dem 35 Prozent des weltweiten Umsatzes mit Halbleitern gemacht werden.

Preiskampf, Kostendruck und der Wettbewerb um Marktanteile werden mit dem Aufschwung nicht enden. In acht Jahren, so schätzen Experten, werden von einem Dutzend Speicherchipkonzernen weltweit nur fünf übrig bleiben. Diesen Ausleseprozess hat Schumacher vor Augen, wenn er bei Standortdiskussionen unbequeme Fragen stellt.

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