Wirtschaft : Infineon-Chef Ziebart tritt zurück Chiphersteller kündigt neues Sparprogramm an

Düsseldorf - Der Münchener Chiphersteller Infineon tauscht seinen Vorstandschef aus. Wolfgang Ziebart lege sein Amt zum 1. Juni „aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die zukünftige strategische Ausrichtung des Unternehmens nieder“, teilte Infineon am Montagabend mit. Ihm folgt Peter Bauer, der schon seit neun Jahren im Vorstand des zweitgrößten europäischen Chipherstellers sitzt.

Infineon kämpft seit Jahren mit hohen Verlusten. Ziebart ist es in seiner fast vierjährigen Amtszeit trotz eines tiefgreifenden Umbaus nicht gelungen, den Konzern nachhaltig in die schwarzen Zahlen zu führen.

Dass Ziebart, dessen Vertrag eigentlich bis September 2009 gelaufen wäre, gerade jetzt geht, ist kein Zufall. Seit Wochen wird bereits darüber spekuliert, Infineon könnte mit dem niederländischen Wettbewerber NXP zusammengehen. Offenbar gibt es bereits weit fortgeschrittene Gespräche mit der früheren Philips-Sparte. Ziebart soll sich gegen diese Verbindung ausgesprochen haben. Hinzu kommt, dass ihm einige Aufsichtsräte vorwerfen, die Umstrukturierung zu zögerlich voranzutreiben. Zudem habe er die verlustreiche Speicherchip-Tochter Qimonda nach deren Börsengang 2006 nicht mehr genügend unter Kontrolle gehabt. Qimonda hat Infineon in den vergangenen Quartalen tief in die roten Zahlen gedrückt.

Im Aufsichtsrat gab es eine breite Mehrheit für Bauer, der derzeit die Autochip-Sparte leitet. „Das war nahezu unumstritten“, sagte ein Aufsichtsratsmitglied dem „Handelsblatt“. „Es war die beste Entscheidung, die wir in der derzeitigen Situation treffen konnten.“

Die Mitarbeiter von Infineon müssen sich derweil auf neue Einschnitte einstellen. Vorstand und Aufsichtsrat haben ein weiteres Sparprogramm beschlossen. Details soll es im Juli geben. HB

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