Wirtschaft : Inflationsrate: Höchster Stand seit drei Jahren

Der drastische Ölpreisanstieg hat die jährliche Inflationsrate im September mit 2,4 Prozent auf den höchsten Stand seit August 1997 getrieben. Diese Schätzung auf der Grundlage von sechs Bundesländern gab das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden bekannt. Im August hatte die Teuerungsrate in Deutschland noch 1,8 Prozent betragen. Ohne die preistreibende Effekte am Ölmarkt würde die Inflationsrate bei nur 1,1 Prozent liegen. Allein von August auf September zogen die Preise für die Lebenshaltung der privaten Haushalte um 0,4 Prozent an. Vor allem bei der Entwicklung der Heizölpreise sprechen die Statistiker mittlerweile von einer dramatischen Entwicklung. Während sie im August bereits um 5,5 Prozent gegenüber dem Juliwert gestiegen waren, schnellten sie im September nochmals um 32,2 Prozent nach oben, so dass sich im Jahresvergleich eine Steigerung um 78,6 Prozent ergibt. Dieselkraftstoff verteuerte sich binnen Jahresfrist um rund 30 Prozent. Die Preissteigerung bei Superbenzin von rund 17 Prozent fiel dagegen vergleichsweise "fast moderat" aus.

Dass die so genannte Kerninflationsrate - ohne den Öleffekt - erheblich niedriger ausfällt, liegt an sinkenden Preisen bei einer Reihe anderer Produkte und Dienstleistungen. So hat der Wettbewerb auf dem Telekom-Markt die Preise für Telefon, Fax und Internet in Jahresfrist um weitere vier Prozent gedrückt. Auch vergleichsweise preiswerte Nahrungsmittel und Getränke entlasten die Geldbeutel der Verbraucher.

Angesichts des Auf und Ab am Ölmarkt fällt den Experten eine Prognose der weiteren Preisentwicklung zunehmend schwer. "Die Inflationsrisiken sind geringer als vielfach befürchtet", stellen zwar die Volkswirte der Dresdner Bank fest. Sie erwarten für 2000 eine durchschnittliche Teuerungsrate von 1,8 Prozent, die sich im kommenden Jahr auf 1,3 Prozent ermäßigen könnte. Dabei unterstellen sie allerdings nachgebende Rohölpreise in den nächsten Monaten. Sowohl die leicht verringerte Dynamik der Weltkonjunktur und eine Ausweitung der Fördermengen durch die Opec, so die Vorhersage, werde den Rohölpreis 2001 auf durchschnittlich 25 Dollar pro Barrel fallen lassen.

Ähnlich sieht das Szenario der Commerzbank aus, die Anfang 2001 sogar nur mit einem Ölpreis von 23 Dollar rechnet. Das entscheidende Argument hängt mit "schmerzhaften Erfahrung" der Erzeuger nach den beiden Ölkrisen Mitte der 70er und Anfang der 80er Jahre zusammen: "Die Organisation Erdöl exportierender Länder ist nicht an einem dauerhaft hohen Ölpreis interessiert", unterstellen die Commerzbank-Volkswirte. Zum einen würde sonst die Weltkonjunktur und damit auch die Nachfrage nach Rohöl gedämpft. Zum anderen werde die Suche nach Alternativen zum Öl forciert.

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