Wirtschaft : Innovationspreis Berlin/Brandenburg: Schaufenster für Kreativität

Harald Olkus

Die Minister waren verhindert. Zur Verkündung der diesjährigen Preisträger für den Innovationspreis Berlin / Brandenburg trat am Freitagmorgen nur jeweils ein Abteilungsleiter aus der zuständigen Verwaltung beider Länder vor die Presse. Manche fanden auch den Austragungsort, eine staubige Halle im Europarc Dreilinden, nicht angemessen, zumal der Preis einen besonderen Stellenwert als Wirtschaftsförderinstrument der Region Berlin-Brandenburg einnimmt. Schließlich sei er ein wesentliches Element der Technologiepolitik beider Länder, meint Frank Neumann, Abteilungsleiter im Brandenburger Wirtschaftsministerium.

Am Abend wurden dann die drei Preisträger mit dem Innovationspreis Berlin / Brandenburg ausgezeichnet. Auch die Verleihung fand im Europarc Dreilinden statt und damit turnusmäßig in Brandenburg. Der mit insgesamt 100 000 Mark dotierte Preis wurde von der Berliner Wirtschaftssenatorin Juliane von Friesen, dem brandenburgischen Wirtschaftsstaatssekretär Wolfgang Vogel und dem Juryvorsitzenden Manfred Hennecke, übergeben. Jeweils ein Drittel der Geldsumme erhielten die Firmen Combinature Biopharm AG aus Buch für den Aufbau einer Enzymbibliothek, das Institut für Kristallzüchtung (IKZ) aus Adlershof für die Entwicklung eines verbesserten Verfahrens zur Züchtung von Kristallen und das Glienicker Unternehmen Acri.Tech GmbH, das hauchdünne, faltbare Linsen für Patienten nach Star-Operationen entwickelt hat.

Einen Anreiz geben

Mit dem zum 18. Mal vergebenen Preis, zum zehnten Mal in Zusammenarbeit mit Brandenburg, werden Firmen und Personen aus der Region für die Entwicklung herausragender Produkte, Verfahren oder technische Dienstleistungen prämiert, die eine deutliche Weiterentwicklung zum bisherigen Kenntnisstand darstellen und ein hohes Marktpotenzial besitzen. Mit dem Innovationspreis soll vor allem kleinen und mittleren Unternehmen ein Anreiz gegeben werden, innovative Ideen und technisch-wirtschaftliche Neuerungen in marktfähige Produkte oder Dienstleistungen umzuwandeln.

Der Innovationspreis sei kein Förderinstrument im klassischen Sinne, sagte Hans-Georg Kauert, Abteilungleiter in der Senatsverwaltung für Wirtschaft und Technologie, dazu sei auch das Preisgeld nicht hoch genug. Als Werbung für die ausgezeichneten Firmen sei der Preis, der sich inzwischen zum Markenzeichen entwickelt habe, allerdings äußerst wertvoll. Außerdem bilde er einen Anreiz für andere Firmen, sich über Innovationen Gedanken zu machen. Die bedeutendste Funktion sei aber, dass den prämierten Unternehmen der Kontakt zu Netzwerken eröffnet werde. Netzwerke, wie das Aktionszentrum BioTOP oder Der Forschungs- und Anwendungsverbund Verkehrssystemtechnik Berlin (FAV) bündeln die Aktivitäten der einzelnen Firmen und fördern die Entwicklung der Region. Sie wollen damit die Stellung Berlins und Brandenburgs im internationalen Wettbewerb verbessern. In dieser Hinsicht bleibe der Preis attraktiv. Dies zeige auch die Tatsache, dass mit 205 Einreichungen in diesem Jahr wieder ein neuer Teilnahmerekord erreicht wurde, meint Kauert.

Die Qualität der Einsendungen war - nach Ansicht des Jury-Vorsitzenden Manfred Hennecke - auch in diesem Jahr wieder außerordentlich hoch. Die aus Vertretern der Berliner und Brandenburger Wirtschaft und Wissenschaft bestehende Jury habe den Kreis der Einsendungen zunächst auf 15 Teilnehmer verdichtet und Gutachten eingeholt. "Wir haben dann lange gebraucht, um uns auf die drei Sieger zu einigen", sagte Hennecke. "Es hätten auch mehr sein können." Aber schließlich steige das Ansehen des Preises auch, je weniger Preisträger ausgewählt werden.

Zu den Auswahlkriterien gehört der Grad der Innovation, die Aussicht auf Markterfolg und dass die Verwertung der Erfindung in Berlin und Brandenburg stattfinden muss, erläuterte der Juryvorsitzende. Außerdem müsse ein beurteilungsreifes Funktionsmuster eingereicht werden. Eine bloße Idee reiche nicht. Schließlich dürfe der Vermarktungsbeginn nicht länger als 18 Monate her sein, da man nur neue Entwicklungen prämieren wolle.

Unter den 205 Teilnehmern waren 140 Unternehmen aus Berlin und 63 aus Brandenburg. Zwei hätten sich aus anderen Regionen verirrt. Wie in den vergangenen Jahren stammte das Gros der Einsendungen aus den Bereichen Software, Umwelttechnik, Medizintechnik, Produktentwicklung, Biotechnologie und Messtechnik. Deutliche Schwerpunktverschiebungen hätten sich nicht abgezeichnet, wenn auch die Zahl der Einsendungen aus der Medizin- und Biotechnologie gestiegen sei.

Positive Bilanz

"Der Preis hat sich als Schaufenster für die Kreativität und Innovationskraft der Region etabliert", sagte Frank Neumann vom brandenburgischen Wirtschaftsministerium. Er fördere die Attraktivität der Region und helfe, nachhaltig Arbeitsplätze in Zukunftstechnologien zu schaffen. Somit könne Brandenburg eine positive Bilanz seiner zehnjährigen Beteiligung ziehen. Auch in der Berliner Senatsverwaltung schätzt man den Wert des Preises hoch ein: Die Preisträger dieses Jahres belegten eindrucksvoll, dass sich die Investitionen Berlins und Brandenburgs in Zukunftstechnologien nun auszahlten. Der Transfer von der Wissenschaft in die Wirtschaft sei gelungen.

Ebenfalls positiv sieht Jan Röttgers, Vorstandsassistent des Hauptsponsors ITAG, die Entwicklung. Die "Public-Private-Partnership" bei diesem Wirtschaftsförderinstrument habe sich bewährt. Der Anteil der Privatunternehmen am Gesamtbudget des Innovationspreises beträgt mittlerweile rund 60 Prozent. Bei der Preisverleihung präsentieren sich die Gewinner vor mehr als 1500 Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Kultur. Dadurch ergibt sich für sie auch die Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen, effiziente Kooperationen anzubahnen und bisher nicht zugängliche Finanzquellen zu erschließen.

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