Intelligente Stromzähler : Big Brother aus der Steckdose

Kritiker warnen vor gläsernen Stromkunden, Unternehmen denken über Eingriffe nach – doch Datenschützer haben keine Bedenken.

Hannes Heine,Jan Oberländer

Sind die sogenannten intelligenten Stromzähler eine Spitzentechnologie – oder vor allem eine Spitzeltechnologie? Der „Big Brother Award“ des Menschenrechtsvereins „Privacy International“ ging im vergangenen Jahr immerhin an den Energieversorger Yello Strom. Die Kritiker befürchten, dass sich durch die Zähler die Lebensweise der Bewohner des jeweiligen Haushalts ermitteln lasse. Das Unternehmen habe die Digitalstrom-Technik für Privatkunden eingeführt, ohne Information zur Möglichkeit des Datenschutzes, hieß es von „Privacy International“. Die Technik ermögliche „eine sekundengenaue Erfassung des Stromverbrauchs einer Wohnung“. In Zukunft könne dies „zur detaillierten Überwachung aller Aktivitäten im häuslichen Bereich genutzt werden.“

Die Unternehmen könnten sogar eingreifen. Der Energieversorger RWE bestätigte, dass man etwa auf „Schlechtzahler“ schneller reagieren könne. Die elektronischen Messgeräte von säumigen Zahlern könnten mit einer „Leistungsbegrenzung“ ausgestattet werden. „Für Kühlschrank und Telefon käme noch genug Strom, für den Fernseher nicht.“ Solche Maßnahmen könnten als „Warnschuss“ funktionieren.

Im Büro des Berliner Datenschutzbeauftragten hat man keine Bedenken gegen die neue Technik – solange sich Kunden dafür entscheiden könnten, in welcher Frequenz der Anbieter auf die Verbrauchsdaten zugreift. Missbrauch könne man nirgendwo hundertprozentig ausschließen. Die Stromversorger werben derweil damit, dass nur ihre Kunden die genauen Verbrauchsintervalle zu sehen bekommen. Die Firmen könnten nicht darauf zugreifen, ihnen bliebe nur ein Gesamtdatensatz am Monatsende.

Ein Problem bleiben Hacker, die Zählerstände via Internet manipulieren könnten. „Diebe könnten am Stromverbrauch ablesen, wann jemand in der Wohnung ist“, sagt Hanns-Wilhelm Heibey, IT-Experte beim Berliner Datenschutzbeauftragten. Ein gläserne Energieversorgung könnte es auch Nachrichtendiensten einfacher machen, die Lebensweise von beobachteten Personen zu erkunden – ohne Observation, einfach per Knopfdruck.

Die Ablesetechnik werde durch Verschlüsselung vor solchen Zugriffen geschützt, heißt es von Energieanbietern und Datenschützern. Ein Außendienstmitarbeiter eines großen Energieversorgers sagte dem Tagesspiegel jedoch, dass man sich innerhalb des Unternehmens der „unausgereiften Technik“ bewusst sei und diese verbessern wolle.

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