Wirtschaft : Internationaler Spitzenplatz für die deutsche Bauindustrie

cbu/HB

Der Vorstandssprecher der Hypo-Vereinsbank (HVB), Albrecht Schmidt, erwartet für das laufende Jahr weitere Zusammenschlüsse und Übernahmen auf dem deutschen Bankenmarkt. "Wir sind interessiert, eine aktive Rolle bei diesem Konsolidierungsprozess zu spielen, aber es muss immer passen", sagte Schmidt im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Auch Deutsche-Bank-Vorstandssprecher Rolf-E. Breuer hatte bei seinem Antritt als neuer Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken Anfang Dezember prognostiziert, dass die Konsolidierung im privaten Bankgewerbe sehr bald zunehmen werde. Interesse signalisierte der 63-jährige Schmidt an dem Nürnberger Discount-Broker Consors. "Das werden wir uns gründlich anschauen. Consors ist interessant und hat viele gute Kunden", sagte Schmidt. Die Bank steht zum Verkauf, nachdem das Mutterinstitut Schmidt-Bank in eine Schieflage geraten und Mitte November von einem Bankenpool, an dem auch die HVB beteiligt ist, gerettet worden war. "Ich gehe davon aus, dass es mehrere Interessenten für Consors gibt", sagte HVB-Chef Schmidt. Die Münchener Großbank, zweitgrößtes Geldinstitut in Deutschland, hatte offenbar bereits im vergangenen Jahr - damals noch mit Privatbankier Karl Gerhard Schmidt - über einen Consors-Kauf verhandelt, aber es kam nicht zu einem Abschluss. Der von dem Bankenpool eingesetzte Schmidt-Bank-Sanierer Paul Wieandt schreibt derzeit den Consors-Verkauf mit Hilfe der Frankfurter Investment-Bank Metzler neu aus, ein Abschluss wird bis Ende März angepeilt. Derzeit ist Consors am Neuen Markt etwa 480 Millionen Euro wert. Schmidt könnte mit dem Erwerb von Consors die Konzerntochter DAB Bank stärken. Der Konzernchef sieht eine Zukunft für das Discount-Brokerage. "Wir gehen vom Erfolg dieses Geschäftsmodells aus", sagte er und stellte klar: "Wir sprechen nicht über eine Integration der DAB Bank." Zuvor hatte es immer wieder Spekulationen gegeben, die ebenfalls am Neuen Markt notierte DAB Bank würde wieder in den Konzern eingegliedert. Auch beim Wettbewerber Comdirect gibt es immer wieder Spekulationen, der Online-Broker könnte in den Mutterkonzern Commerzbank integriert werden. Die DAB Bank schreibt derzeit noch rote Zahlen, will aber so schnell wie möglich in die Gewinnzone kommen. Mit der bereits angekündigten weitere Expansion nach Europa hat die Hypo-Vereinsbank dagegen keine Eile. Schmidt hatte immer 2001 als "Jahr des Innenausbaus" bezeichnet und für die Zeit danach weitere Zukäufe in Süd- und Westeuropa im HVB-Konzept der "Bank der Regionen" angepeilt. "In schweren Zeiten sollte man das Schiff wetterfest halten", sagte er jetzt. Es gebe derzeit keine Aktivitäten. Dazu kommt, dass die HVB-Aktie am Boden liegt und kaum als Akquisitionswährung eingesetzt werden kann. Schmidt verweist aber darauf, dass der Konzern auch über andere Finanzierungsmöglichkeiten verfügt. Allein das 6,2Prozent-Paket an der Allianz, das nicht als strategischer Beteiligungsbesitz eingestuft wird, ist etwa vier Milliarden Euro wert. 2001 hatte sich die HVB erfolglos um eine Beteiligung an der BW-Bank in Baden-Württemberg bemüht. Im Jahr davor übernahm Schmidt die Bank Austria, das größte österreichische Geldinstitut. Die weitere wirtschaftliche Entwicklung beurteilt Schmidt mit Skepsis. "2002 wird alles andere als ein leichtes Jahr", betonte der Bankchef. Er gehe nicht davon aus, dass es im zweiten Halbjahr diesen Jahres schon zu einer nachhaltigen Erholung komme. Für die gesamte Branche werde dieses Jahr sehr schwierig werden, davon sind Banker und Analysten überzeugt. Das Kapitalmarktgeschäft kommt noch nicht wieder richtig in Schwung, im klassischen Firmenkundengeschäft belastet das niedrige Wachstum und im Privatkundensegment sind die Margen nach wie vor sehr niedrig.Dieses schwierige Marktumfeld trifft alle Banken. Im abgelaufenen Geschäftsjahr habe der Hypo-Vereinsbank-Konzern seine Hausaufgaben erledigt und könne so "seine eigene Konjunktur" machen, zeigte sich Konzernchef Schmidt überzeugt. Am 20. Februar veröffentlicht der Konzern die vorläufigen Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr. Den Auftakt unter den Großbanken macht am 31. Januar die Deutsche Bank. Im vergangenen Jahr liefen die HVB-Geschäfte nicht gut. Wie die anderen großen Banken haben auch die Münchener unter dem Konjunktureinbruch und Einbruch an den Börsen zu leiden. Im dritten Quartal 2001 musste der Konzern einen Gewinneinbruch hinnehmen. Die Eigenkapital-Rendite nach Steuern lag bei nur noch knapp sechs Prozent. Schmidt hält aber weiter an dem Ziel fest, bis 2004 die Rendite konzernweit auf 15Prozent zu steigern. Für Unruhe im Konzern sorgte zuletzt die Neuordnung im Vorstand. Schmidt bildete einen Konzernvorstand mit sechs Mitgliedern, der die künftige Strategie festlegt. Daraufhin schieden die beiden langjährigen Vorstände und Schmidt-Gefährten Norbert Juchem und Eberhard Rauch, die beide nicht berücksichtigt wurden, aus. Probleme für die Bank sieht Schmidt durch den Exodus nicht.

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