Internationaler Währungsfonds feiert Geburtstag : Eine Reform zum 70. soll den IWF jung halten

Vor sieben Jahrzehnten wurde der IWF als sogenannte Bretton-Woods-Institution aus der Taufe gehoben. Inzwischen haben Schwellenländer mehr Einfluss - demokratische Verhältnisse aber verhindern die USA.

Jeremy Tordjman
Im Spannungsfeld: IWF-Chefin Lagarde ist nicht immer einer Meinung mit den USA und ihrem Präsidenten Barack Obama.
Im Spannungsfeld: IWF-Chefin Lagarde ist nicht immer einer Meinung mit den USA und ihrem Präsidenten Barack Obama.Foto: REUTERS

Einen Bauchtanz von Christine Lagarde wird es zum 70. Geburtstag des Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht geben. Dabei hatte die Chefin des weltweit wohl wichtigsten Kreditgebers für notleidende Staaten scherzhaft einen solchen angeboten, um die Zustimmung des US-Kongresses zu einer Reform zu erwirken. Kurz vor dem runden Geburtstag der am 27. Dezember 1945 offiziell gegründeten UN-Sonderorganisation hatten die US-Republikaner auch ohne Tanzeinlage ein Einsehen, dass der Fonds eine zeitgemäße Erneuerung braucht.

Neben der Weltbank wurde der IWF vor sieben Jahrzehnten als eine der beiden sogenannten Bretton-Woods-Institutionen aus der Taufe gehoben, benannt nach einem Bergdorf im US-Bundesstaat New Hampshire. Dort trafen sich noch während des Zweiten Weltkriegs die damals führenden Staaten, um das Weltwirtschaftssystem der Nachkriegszeit zu entwerfen. Doch während das ebenfalls dort festgelegte feste Wechselkurssystem mit dem US-Dollar als Leitwährung wenige Jahrzehnte später aufgrund der Exportschwäche der USA hinfällig wurde, behaupteten IWF und Weltbank ihre Stellung.

China ist der größte Gewinner

Beide Institutionen gibt es immer noch - die Machtverhältnisse aber haben sich geändert. Profiteure der Reform sind erstarkte Wirtschaftsmächte wie China, Indien und auch Russland. Im IWF-Vorstand erhalten die Schwellenländer mehr Mitspracherecht. Das Nachsehen haben vor allem die Europäer.

Größter Gewinner der Reform ist die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft China, deren Stimmanteil von unter vier auf über sechs Prozent steigt. Peking überholt damit erstmals das wirtschaftlich fünfmal kleinere Italien und darf sich außerdem seit kurzem über die Aufwertung seiner Währung Yuan als offizielle IWF-Reservewährung freuen. Indiens Anteil steigt vergleichsweise nur moderat von 2,3 auf 2,6 Prozent.

Aber auch insgesamt dürfte der IWF von der Neuregelung profitieren. Da die Länder gemäß ihren Stimmanteilen auch mehr einzahlen, steigt der Kreditrahmen des Währungsfonds auf 660 Milliarden Dollar (603 Milliarden Euro). Die Reformen würden so "die Rolle des IWF als Unterstützer weltweiter Finanzstabilität stärken", freute sich Chefin Lagarde vergangene Woche über die Zustimmung aus dem benachbarten Kongress in Washington.

Wirklich demokratisch wird es nicht

Dabei hatte die Verschleppung des bereits 2010 beschlossenen IWF-Umbaus schon zu schweren Verwerfungen geführt: So gründeten die als "Brics" bekannten Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika nicht nur 2014 wegen der Verzögerung ihren eigenen Währungsfonds - auch das Tagesgeschäft des IWF wurde zunehmend kritischer kommentiert. In Ostasien und anderswo wollte beispielsweise bei den "systemischen Risiken", die eine Pleite Griechenlands laut IWF angeblich für die Weltwirtschaft haben würde, bald keiner mehr glauben, dass mit dieser Welt nicht vor allem die EU gemeint war. Mehrfach hatte der Fonds sich rechtlich auf dünnes Eis begeben, um Athen weitere Kredittranchen zu gewähren.

Russland wiederum warf dem Fonds vor, mit der Finanzierung der Ukraine nicht nur eigene Regeln zu brechen, sondern seine Glaubwürdigkeit als unabhängige Institution "ernsthaft zu untergraben". Dabei waren die für eine Unterstützung der Ukraine nötigen Regeländerungen schon 2013 diskutiert worden - lange, bevor Moskau und Kiew in ihren derzeitigen Schlagabtausch verfielen. Viel Unmut über die Machtverhältnisse beim IWF wird nun mit der Reform abgebaut werden können. Wirklich demokratisch wird es beim Fonds aber auch nach 70 Jahren nicht zugehen: Mit weiterhin 16,5 Prozent Stimmanteilen bleiben die USA der einzige Staat mit einem Vetorecht. (AFP)

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