Wirtschaft : Internationales Chaos am Geldautomaten

DER ROPP (HB)

Im vergangenen Jahr haben die Bundesbürger ihre Euroscheck- oder Bankkarte im europäischen Ausland bei ingesamt 22,2 Mill.elektronischen Transaktionen am Geldautomaten eingesetzt.Dieser Trend wird sich weiter verstärken, da mit den deutschen Karten mittlerweile über das System "Maestro" weltweit Geldautomaten oder POS-Terminals benutzt werden können.Auf dem Rückzug hingegen befindet sich die Verwendung des papiergebundenen Euroschecks.Das liegt nicht nur an den vergleichsweise hohen Gebühren von 1,75 Prozent, sondern auch daran, daß die Akzeptanz des Schecks in einigen wichtigen Reiseländern zurückgeht.Mittlerweile verweigern auch Banken und Händler in Norwegen und Schweden die Annahme der Schecks.Das Abheben am Geldautomaten ist zudem bequem und mit der einheitlichen 5-DM-Gebühr pro Verfügung auch meist billiger.Der Euroscheck gilt im internationalen Zahlungsverkehr noch immer als wichtigster Orientierungsmaßstab.Jahrelang waren nämlich Euroscheck-Höchstbetrag - im allgemeinen um die 400 DM - und Verfügungsrahmen am Geldautomaten identisch.Das hat sich vielfach geändert, ohne daß Karteninhaber darauf von ihrer Hausbank explizit hingewiesen wurden.Woher weiß der Tourist nun, in welchem Land er wieviel abheben kann? Beim Bundesverband deutscher Banken (BdB) heißt es dazu: "Wir teilen unseren Kunden mit, daß sie am Automaten den zulässigen Euroscheck-Höchstbetrag abheben können." Das entspreche auch den internationalen Regeln.Dennoch wird eingeräumt, daß aufgrund der Online-Verbindung der Automaten zur jeweiligen Bank des Kunden durchaus die Möglichkeit besteht, höhere Beträge abzuheben.Das wiederum hängt von den Höchstgrenzen im Inland und von den Geldautomatenbetreibern im Ausland ab.Dort haben die einzelnen Bankengruppen für ihre eigenen Kunden wieder unterschiedliche Limits festgelegt."Ein absolutes Chaos, wenn man das kommunizieren müßte", meint Euroscheck-Experte Marcel Hoffmann vom BdB.Sein Tip: Karteninhaber sollten sich bei ihrer Hausbank ihr Geldautomaten-Limit nennen lassen.Wenn der Geldautomatenbetreiber im Ausland mitspielt, ist dieser Betrag auch gleichzeitig die Höchstgrenze für Auslandsabhebungen.

"Wir autorisieren beim Geldautomaten bis zu 1000 DM pro Tag", erklärt Manfred Krüger vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband in Bonn.Das gelte für das In- und Ausland.Auch er weiß um die unbefriedigende Situation für den Verbraucher bei der Geldautomatennutzung.Auf internationaler offizieller Ebene hieße es, ausgezahlt werde mindestens ein Gegenwert von 500 bis 600 DM pro Transaktion, berichtet er von entsprechenden Treffen.In der Praxis sieht es häufig anders aus, räumt der Kartenexperte ein.An Wochenenden werden die Beträge in den Urlaubsländern häufig "sozialisiert", das heißt jeder bekommt nur einen geringen Betrag, damit die Automaten nicht so schnell leer sind."Mit einer Bankcard und Ihrer Geheimzahl können Sie weltweit in fast 90 Ländern Bargeld abheben", heißt es in den Urlaubstips der Genossenschaftsbanken.Dabei werden Beträge bis zu einem Gegenwert von 1000 DM pro Tag ausgezahlt.Aber nicht überall in einer Transaktion, schränken die Genossenschaftsbanken ein.

Sehr viel besser dran - jedenfalls auf dem Papier - sind die Besitzer von reinen Kreditkarten wie Eurocard oder Visa.In den Karten-Bedingungen wird jeweils der tägliche und wöchentliche Verfügungsrahmen angegeben.Allerdings lassen sich die Kreditinstitute diesen Service gut bezahlen.Er ist kaum unter 2 Prozent ( mindestens 10 DM) des abgehobenen Betrags zu haben.

Bargeldbeschaffung per Geldautomat ist mithin sehr preiswert, um im Ausland liquide zu sein.Je höher der Betrag, desto weniger fällt die Gebühr von 5 DM ins Gewicht.Zudem profitiert der Reisende aber auch noch von den offiziellen Umtauschgebühren, die deutlich unter den Wechselkursen am Bankschalter liegen.Daher für ganz Mutige ein heißer Tip: Einfach ausprobieren, ob der Automat einen höheren als den EC-Scheck-Höchstbetrag ausspuckt.Aber Vorsicht, nach drei Fehlversuchen wird die Karte eingezogen.NINA VON

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