Internet : Web 2.0-Angebote bestimmen zunehmend Alltag

Interaktive Angebote des Internets gewinnen in Deutschland immer mehr an Bedeutung. Der Umsatz dieser Portale zeigt sich mit enormen Zuwachsraten, die allerdings großteils von Umsatzverschiebungen stammen.

München - "Die technologische und inhaltliche Weiterentwicklung des Internets hin zum so genannten Web 2.0 verändert das Leben und Einkaufsverhalten breiter Bevölkerungsschichten", ergab eine Studie des Technologieberatungsunternehmens Booz Allen Hamilton. In Deutschland nutzen demnach derzeit 12,4 Millionen Menschen aller Altersgruppen Anwendungen wie virtuelle Kontaktbörsen, Blogs oder Communities. "Web 2.0 ist bereits heute ein Massenphänomen", sagte der Geschäftsführer von Booz Allen Hamilton, Stefan Eikelmann. Dies trage "rasant zur Emanzipation der Kunden" bei. Bereits die Hälfte der Nutzer verlässt sich der Studie zufolge bei Kaufentscheidungen auf Empfehlungen in Web 2.0-Foren.

Die Umsätze von eCommerce, kostenpflichtigen Online-Diensten und Werbung beliefen sich laut Booz Allen Hamilton im vergangenen Jahr auf 17,1 Milliarden Euro. Für 2008 sei für Internet-Services in Deutschland bereits mit einem Umsatzvolumen von 39,5 Milliarden zu rechnen. Die größten Wachstumschancen haben demnach Dienste zum Herunterladen von Musik, kostenpflichtige Premium-Mitgliedschaften in Community-Angeboten wie dem Kontaktnetz OpenBC oder Online-Spiele.

Trotz der zunehmenden Nutzung von Web 2.0-Anwendungen besteht der Studie zufolge für die Anbieter jedoch kein Grund zur Euphorie. "Das eigentliche Geld im Internet wird weiter mit Werbung verdient", sagte Eikelmann. Dadurch seien Gewinn- und Umsatzmöglichkeiten von Internet-Unternehmen beschränkt. Die Web 2.0-Angebote hätten bislang "nur bescheidene zusätzliche Wertschöpfung" geschaffen. Das Web 2.0 führt laut Eikelmann zu einer "Umsatzverschiebung innerhalb eines wachsenden Internet-Marktes" und teilweise auch zu einer "Kannibalisierung" des Wettbewerbs zwischen traditionellen Internet-Diensten. Mittelfristig können der Studie zufolge daher "nur einige der neuen Modelle und Anbieter überleben". Booz Allen Hamilton befragte für die Studie in Deutschland, Großbritannien, den USA und Brasilien mehr als 3000 Internetnutzer zu ihrem Nutzerverhalten. (tso/AFP)

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