Wirtschaft : Intershop: Softwarehersteller erwartet Verlust für drittes Quartal

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Der Jenaer Softwarehersteller Intershop erwartet für das dritte Quartal bei steigenden Umsätzen einen Verlust. Grund seien die außerordentlichen Aufwendungen für eine Werbekampagne in den USA in Höhe von sieben Millionen Euro sowie Aufwendungen in Zusammenhang mit dem Kauf der beiden Technologieunternehmen OWIS und Subotnic, teilte das Unternehmen am Freitag in Hamburg mit. "Als Teil unserer langfristigen Wachstumsstrategie sind diese Investitionen notwendig, um unsere Marktposition für ein weltweites Wachstum in Zukunft zu stärken", sagte Intershop-Finanzvorstand Wilfried Beeck.

Noch im zweiten Quartal 2000 hatte Intershop - zum ersten Mal - einen Nettogewinn von 1,3 Millionen Euro ausgewiesen und angekündigt, im vierten Quartal den Break-Even zu erreichen. Die Aktie des am Neuen Markt und seit 29. September auch an der amerikanischen Nasdaq gelisteten Unternehmens sank am Freitag zur Kasse auf 45,35 Euro. Das entspricht einem Minus von 4,59 Prozent. Am Mittag hatte die Aktie mit 44,99 Euro ein neues Jahrestief erreicht.

Intershop rechnet für das dritte Quartal 2000 mit einem Umsatz zwischen 34 und 35 Millionen Mark. Dies entspreche einem Wachstum von 200 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Auch der Umsatz des zweiten Quartals (32,6 Millionen Euro) werde übertroffen. Die Lizenzerlöse würden voraussichtlich zwischen 19 und 19,5 Euro liegen. "Mit dem erwarteten Umsatz hätten wir den Quartalsumsatz zum elften Mal hintereinander gegenüber dem Vorjahresquartal gesteigert beziehungsweise zum vierten Mal hintereinander gegenüber dem Vorjahr mehr als verdreifacht", sagte Finanzvorstand Beeck. "Traditionell verzeichnen wir im dritten Quartal eine Abschwächung des Lizenzumsatzwachstums." Beeck begründete dies mit der "allgemeinen Saisonalität in der Softwarebranche in Europa".

"Die Schwäche im dritten Quartal kommt für uns nicht überrraschend", sagte Paul Sibianu, Analyst der WGZ-Bank. Das dritte Quartal sei traditionell immer etwas schwächer. Sibianu geht davon aus, dass Intershop den Break-Even dennoch, wie angekündigt, zum Jahresende knapp erreichen wird. "Wenn nicht, hätte das eine Signalwirkung für den Markt", sagte der Analyst.

Ob das Ziel erreicht werden könne, hänge von der weiteren Marktentwicklung ab. Das vierte Quartal sei bei den Technologie-Titeln traditionell sehr stark. "Ich rechne damit, dass der Markt im November und Dezember noch einmal anspringt", sagte Sibianu. Die Ölpreise würden voraussichtlich abflachen, der Euro sich stabilisieren. In einem positiven Marktumfeld sieht der Analyst die Intershop-Aktie zum Jahresende bei 75 bis 80 Euro, mittelfristig sogar bei 100 Euro.

Seit dem Nasdaq-Listing Ende September war die Aktie des Softwareherstellers kontinuierlich eingebrochen. Der WGZ-Bank-Analyst schließt nicht aus, dass gezielt gestreute Gerüchte der Grund sein könnten. Seitdem sich die US-Investmentbank Morgan Stanley negativ geäußert und das Papier als zu teuer eingestuft hatte, habe die Aktie an Wert verloren. Auch eine angekündigte Studie der Deutschen Bank, die das Kursziel der Intershop-Aktie von 100 auf 50 Euro heruntergestuft habe, sei Grund für den Einbruch. "Die Studie ist bis heute nicht veröffentlicht", sagte Sibianu.

Die endgültigen Quartalszahlen will Intershop erst Ende Oktober bekannt geben. Bis dahin werde das Unternehmen keine weiteren Informationen zur Verfügung stellen. Ein Sprecher begründete dies mit der bis Ende Oktober laufenden Stillhaltefrist infolge des Börsengangs an der Nasdaq.

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