Interview : "Berlin kann sich mit Paris, Madrid und Seoul messen"

Andreas Penk, Deutschland-Chef des Pharmakonzerns Pfizer, rät der Hauptstadt zu mehr Selbstbewusstsein.

Kevin P. Hoffmann
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Foto: Henning Lüders

BerlinNeun Monate nach dem Umzug der Deutschland-Zentrale des weltgrößten Pharma-Konzerns Pfizer von Karlsruhe nach Berlin hat Geschäftsführer Andreas Penk eine Zwischenbilanz gezogen. „Wir sind hier sehr gut aufgenommen worden“, sagte er am Montagabend vor gut 50 Mitgliedern des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) im Charlottenburger Ludwig Erhard Haus. Seine Mitarbeiter genössen das kulturelle Angebot und die Freizeitgestaltung. „Diese Faktoren haben auch bei unserer Suche nach einem Standort eine gewisse Rolle gespielt. Aber sie allein führen nicht dazu, dass man einen lieb gewonnen Standort aufgibt“, sagte Penk.

Auch das wissenschaftliche Umfeld sei ein wichtiger Grund dafür gewesen, dass Pfizer sich am Ende der Suche im Jahr 2007 für Berlin entschieden habe: „Die Qualität der Region Berlin-Brandenburg ist im Bereich der Lebenswissenschaften wohl einmalig in Deutschland, höchstens noch vergleichbar mit dem Großraum München“, sagte der 44-Jährige.

Im Juli 2007 hatte Pfizer die Entscheidung zugunsten der Hauptstadt getroffen und war im vergangenen September in die Linkstraße nach Tiergarten gezogen. Heute arbeiten dort 500 Beschäftigte an der Koordination des Deutschland-Geschäfts. 35 Prozent davon waren schon in Karlsruhe für Pfizer tätig. Zudem wird auch die onkologische Abteilung, also das Europa-Geschäft mit Krebsmedikamenten, in Berlin koordiniert. Insgesamt beschäftigt Pfizer 3800 Mitarbeiter in Deutschland und rund 87 000 weltweit.

Deutschland hätte innerhalb des Konzerns wohl kaum den Zuschlag für die onkologische Europa-Abteilung bekommen, wenn die Zentrale noch in Karlsruhe läge, vermutet Penk. Für einen Londoner oder New Yorker verbinde sich mit der Stadt am Oberrhein nichts. „Eine der größten Stärken, die Berlin dagegen hat, ist die unzerstörbar positive Wahrnehmung – besonders in den USA.“ Das habe geholfen, die Onkologie nach Deutschland zu holen: 2008 hatte der Konzern weltweit 2,5 Milliarden Dollar (1,8 Milliarden Euro) mit Krebsmedikamenten umgesetzt. Der Konzern habe sich nun intern zum Ziel gesetzt, die Höhe des Umsatzes bis zum Jahr 2018 zu verzehnfachen und so von der derzeitigen Nummer Sieben unter die Top Drei der größten Hersteller von Krebsmedikamenten aufsteigen. Etwa die Hälfte dieses Wachstums könnte Europa, also auch Berlin, beisteuern, sagte der Geschäftsführer weiter.

Penk empfahl der Berliner Gesundheitsbranche mehr Selbstbewusstsein. Natürlich müsse man sich derzeit noch an Pharma-Standorten wie München messen. Aber: „Die Münchner kochen auch nur mit Wasser, zelebrieren das aber wie eine japanische Tee-Zeremonie“, erklärte er. Mittel- und langfristig liege die Konkurrenz als Gesundheitsstandort im Ausland, etwa in Paris oder Madrid. Die ganz starke Konkurrenz wachse aber in Asien heran. Die koreanische Hauptstadt Seoul gelte als der größte onkologische Forschungsstandort der Welt, vor allem weil sich dort alle Kliniken des Ballungsraums mit bis zu 20 Millionen Einwohnern an Krebs-Studien beteiligten. „Berlin hat das Potential, europaweit und weltweit dabei zu sein.“ Kevin P. Hoffmann

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