Interview : "Es wird nicht ausreichend investiert"

Maschinenbau-Präsident Wittenstein über den schwachen Heimatmarkt und starke Exporte.

Wittenstein
Manfred Wittenstein ist seit 2007 Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). -Foto: dpa

Herr Wittenstein, wie laufen die Geschäfte?



Wieder besser. Wir haben das Vorjahresniveau in den letzten drei Monaten überschritten, insofern sind die Aussichten für den Maschinenbau wieder von rot auf gelb, mit Tendenz zu grün gestellt. Insgesamt hat der Maschinenbau die Talsohle hinter sich.

Also geht es in den Aufschwung?

Wir wollen erst von einem Aufschwung sprechen, wenn wir sechs Monate lang eine Aufwärtstendenz haben. Und so weit sind wir noch nicht.

Wird es so sein wie immer: Die Auslandsnachfrage zieht die deutsche Wirtschaft aus der Rezession?

Das ist so. Ich verbinde damit aber auch die Sorge über die Investitionsschwäche in Deutschland. Wir liefern die neuesten Maschinen ins Ausland, und hier wird nicht ausreichend investiert. Dabei sollten wir doch im Inland die modernsten Produktionsanlagen haben.

Hängt die Investitionsschwäche mit der Schwäche der Autoindustrie zusammen?

Die Autoindustrie ist eine wichtige Abnehmerbranche, aber nicht die einzige. Und die Investitionsschwäche hierzulande ist kein neues Krisenphänomen, sondern wir beobachten das sei rund 15 Jahren.

Welche Gründe gibt es dafür?

Natürlich sind Firmen in der Globalisierung gezwungen, im Ausland zu investieren, um wichtige Auslandsmärkte zu sichern. Aber die Investitionsschwäche bezieht sich auf unser gesamtes Gemeinwesen, also auch den Staat. Aufgrund der Schuldenproblematik kommt dieses Thema zu kurz. Etwas platt und am aktuellen Beispiel deutlich gemacht: Wir flicken die Löcher in den Straßen nach einem strengen Winter und haben aber keine Perspektive für die Modernisierung des gesamten Netzes. Letztendlich sind aber Investitionen in Deutschland erforderlich, um hier Arbeitsplätze zu schaffen.

Sie argumentieren ähnlich wie die französische Wirtschaftsministerin, die den Deutschen vorwirft, die Binnenwirtschaft zugunsten des Exports zu vernachlässigen.

Ich rede aber nicht vom Konsum, sondern von Investitionen. Der deutsche Maschinenbau hat weltweit eine herausragende Stellung – deshalb kaufen die Kunden weltweit unsere Produkte. Und diese Produkte werden wir den Kunden trotz der Bedenken der französischen Ministerin auch künftig nicht vorenthalten.

Sie haben der Bundesregierung kürzlich „Richtungs- und Orientierungslosigkeit“ attestiert. Verschlechtert etwa eine konservativ-liberale Regierung die Investitionsbedingungen im Lande?

Wir müssen uns auf zentrale Themen konzentrieren, Bildung sowie Forschung und Entwicklung. Dahin muss die Politik sich orientieren. Die Steuererleichterung für das Hotel- und Gaststättengewerbe ist dagegen ein Schuss in den Ofen.

Im Durchschnitt des vergangenen Jahres gab es im Maschinenbau 220 000 Kurzarbeiter, 34 000 Arbeitsplätze wurden abgebaut und Ende 2009 zählte dieser Wirtschaftsbereich noch 920 000 Beschäftigte. Rutschen wir 2010 unter die 900 000?

Trotz schwieriger finanzieller Lage versuchen die Firmen, ihre Belegschaften zu halten. Das ist schwierig genug, denn zu Beginn eines Aufschwungs werden Finanzierungsengpässe spürbar. Deshalb werden wir weiter Mitarbeiter verlieren und 2010 unter die 900 000er Marke fallen.

Auch wegen der Zurückhaltung der Banken?

Das gesellschaftlich verantwortliche Bemühen der Unternehmen, ihre Belegschaften zu halten, sollte ihnen in Kreditgesprächen in den Banken nicht vorgehalten werden. Wenn beide Seiten ihrer Verantwortung gerecht werden, also Finanz- und Realwirtschaft, dann werden wir die Krise gut überstehen.

Wir hilfreich ist der schwache Euro?

Wenn wir uns den Kurs des Euro seit der Einführung ansehen, dann liegen wir immer noch leicht über dem Mittelwert. Damit haben wir natürlich weniger starken Gegenwind. Aber wenn es keine Nachfrage gibt, dann hilft auch der schwache Euro nicht. Wichtiger als kurzfristige Wechselkursausschläge sind die langfristigen Beziehungen zwischen Lieferant und Kunden.

Das Gespräch führte Alfons Frese

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