Interview : „In Berlin gibt es sehr viel Vermögen“

Der neue Weberbank-Chef Andreas Goßmann erklärt, was er mit dem Traditionsinstitut vorhat und den Unterschied zwischen großen Konzernen und reichen Privatleuten.

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Goßmann will für Kontinuität an der Spitze der Weberbank sorgen. -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Herr Goßmann, Sie sind der vierte Chef der Weberbank in drei Jahren. Warum werden Sie länger bleiben als Ihre Vorgänger?

Ich finde sowohl die Weberbank als auch die Stadt Berlin sehr interessant und habe mir daher fest vorgenommen, länger zu bleiben. Es gibt also keinen Grund, bald wieder wegzugehen.

Die Weberbank gehört seit 2005 zur WestLB, für die auch Sie zuletzt als Berater tätig waren. Wie stark ist die Kontrolle durch die Konzernmutter in Düsseldorf?

Wir agieren sehr unabhängig von der WestLB. Insbesondere in unserer Anlageberatung sind wir völlig frei und können daher unabhängig von irgendwelchen Interessen der WestLB allein im Interesse unserer Kunden agieren.

Die WestLB wurde stark von der Finanzkrise getroffen und musste vom Land Nordrhein-Westfalen und den Sparkassen gerettet werden. Dabei wurde spekuliert, dass die WestLB die Weberbank im Zuge der Sanierung verkaufen müsse.

Die WestLB hat eindeutig klargemacht, dass es überhaupt keine Absichten gibt, die Weberbank zu verkaufen. Dem habe ich nichts hinzuzufügen. Die Weberbank ist ein wichtiger Bestandteil des WestLB- Konzerns.

Heißt das, die Weberbank wird auch in einem Jahr noch zur WestLB gehören?

Das sind Fragen, die Sie mit dem Vorstandsvorsitzenden der WestLB diskutieren müssten. Stand heute gibt es überhaupt keinen Hinweis darauf, dass es Veränderungen geben könnte.

Ihr Vorgänger Harald Christ hat Interesse geäußert, die Weberbank gemeinsam mit einem strategischen Investor zu kaufen. Halten Sie das für realistisch?

Wir haben zur Kenntnis genommen, dass Herr Christ sich für die Weberbank interessiert. Aber die Idee ist nicht realistisch. Man kann nur etwas kaufen, was auch zum Verkauf steht. Und die Weberbank steht nicht zum Verkauf.

Die WestLB wird durch die Sanierung künftig deutlich kleiner werden. Wie passt die Weberbank in einen zusammengeschrumpften WestLB-Konzern?

Ich glaube, dass die Weberbank sehr gut in den WestLB-Konzern passt, da sie stabile Erträge liefert.

Die WestLB gehört zur Hälfte den Sparkassen in Nordrhein-Westfalen. Können Sie sich dort eine Zusammenarbeit vorstellen?

Ja. Wir sind bereits in intensiven Gesprächen mit verschiedenen Sparkassen, um bei Kunden, die eine besonders hochwertige Beratung oder Vermögensverwaltung wünschen, unsere Expertise anzubieten.

Ist so etwas auch mit der Berliner Sparkasse denkbar?

Ich habe in Berlin noch nicht mit der Sparkasse gesprochen, werde in den nächsten Wochen aber auch die Berliner Sparkasse besuchen, um auch dort Möglichkeiten der Zusammenarbeit auszuloten.

Könnte Ihr Haus eine Plattform für neues Privatkundengeschäft der WestLB sein?

Die Weberbank ist bereits die Plattform für das Private-Banking-Geschäft. Wir planen keinen Zukauf von Banken, sondern wollen organisch weiterwachsen. Wir suchen im Moment insgesamt 20 qualifizierte Berater. Während andere tausende Stellen streichen, werden wir neue Arbeitsplätze schaffen.

In Nordrhein-Westfalen sind sie nach Düsseldorf und Bielefeld seit kurzem auch in Essen vertreten. Wie läuft die Expansion?

Wir sind sehr zufrieden. In Essen haben wir ja erst vor wenigen Wochen angefangen. Aber alle drei Standorte entwickeln sich sehr positiv. Wir haben in Essen bereits über hundert neue Kunden gewonnen. Die Kunden schätzen unsere objektive Beratung. Deshalb kommen sie zu uns.

Zuletzt haben Berichte über schlechte Beratung in der Bankbranche die Kunden verunsichert. Wie sollen sie ihrem Berater vertrauen, wenn der ihm falsche Produkte aufschwatzen will, um die Provision zu kassieren oder interne Zielvorgaben zu erfüllen?

Unsere Kunden sind nicht verunsichert. Es macht die Weberbank ja gerade so einzigartig, dass wir keine teuren Investmentbanker haben, die Produkte herstellen, die hinterher von Beratern verkauft werden müssen. Wir können es uns erlauben, Produkte von unterschiedlichen internationalen Investmenthäusern zu analysieren und gegebenenfalls unseren Kunden empfehlen. Das können nur ganz wenige Banken in Deutschland.

Ihre Konzernmutter WestLB hat aber Investmentbanker, die Finanzprodukte herstellen. Verkaufen Ihre Berater diese nicht bevorzugt?

Nein. Die WestLB hat zweifellos hervorragende Produkte. Wenn wir jedoch ein gleichwertiges Produkt finden, entscheiden wir uns im Interesse der Objektivität für das Produkt der anderen Bank. Nur so können wir unsere unabhängige Beratung glaubhaft demonstrieren. Der Anteil der WestLB-Produkte in den Depots unserer Kunden ist entsprechend gering.

Sie haben an den Finanzplätzen Frankfurt am Main und Düsseldorf gearbeitet. Wie unterscheidet sich Berlin von diesen Wirtschaftszentren?

Ich bin noch nicht lange genug hier, um viel über Berlin sagen zu können. Aber mein erster Eindruck ist sehr gut. Ich würde die Stadt weniger mit Düsseldorf oder Frankfurt vergleichen, sondern vielmehr mit London, wo ich auch einmal zwei Jahre gearbeitet habe.

Gibt es im vergleichsweise armen Berlin genügend vermögende Kunden?

Absolut. Für das Private Banking ist Berlin ein hochattraktiver Standort. Für unser Geschäft ist weniger entscheidend, ob es hier große Konzerne gibt, sondern ob es hier viele vermögende Privatleute gibt. Und die gibt es. Es ist hier sehr viel Vermögen vorhanden. Deshalb erwarten wir steigende Kundenzahlen.

Wie haben sich die Kundenzahlen zuletzt entwickelt?

In unserem Zielkundensegment der vermögenden Privatkunden haben wir die Anzahl der Kunden seit Anfang des Jahres um circa fünf Prozent gesteigert.

Wollen Sie auch über Berlin hinaus Kunden ansprechen?

Wir haben schon heute Kunden im gesamten Bundesgebiet, die unsere Beratung schätzen und uns auch weiterempfehlen. Deshalb sind unsere Berater auch häufig ein oder zwei Tage außerhalb von Berlin tätig und besuchen die Kunden. Mit der Distanz unserer Kunden zu Berlin nimmt in der Regel auch das Vermögen zu. Sehr vermögende Kunden besuchen wir auch in Hamburg oder Frankfurt am Main.

Wie wird die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank den Bankenmarkt verändern, gerade in Berlin?

Neben der Deutschen Bank gibt es bald ein zweites sehr starkes deutsches Bankhaus. Kurzfristig können wir als Weberbank aber von der Übernahme profitieren. Es entsteht jetzt eine enorme Unruhe bei den Mitarbeitern der Dresdner Bank. Und das überträgt sich dann zwangsläufig auch auf die Kunden. Da können wir Marktanteile gewinnen.

Das Gespräch führte Stefan Kaiser.

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