Investieren in Ägypten : „Ägyptens Schätze sind geblieben“

Der Unternehmer Arend Oetker über Stabilität im Nilstaat, den Tourismus und die Verantwortung der Wirtschaft.

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Foto: privat

Der Arabische Frühling hat auch Ägyptens Wirtschaft gedämpft. Wie geht es dem Land heute?

Historisch war Ägypten immer ein Land von Soldaten und Bauern. Die Menschen waren gewohnt, dass alles von oben herab geschieht. Nun lernen sie Selbstständigkeit. Der Prozess ist mühsam und schmerzhaft – aber ich bin optimistisch. Es sind jetzt vor allem Kaufleute, die soziale Verantwortung übernehmen müssen. In der Politik wie in der Wirtschaft.

Welche Branchen brauchen die dringendsten Impulse?

Zwei Stärken des Landes sind der Tourismus und die Landwirtschaft. Die müssen jetzt gefördert werden. Die Landwirtschaft hat alte historische Wurzeln in Ägypten. Unser Unternehmen Hero ist abhängig von der lokalen Versorgung, da wir die meisten Früchte und Honig von lokalen Erzeugern beziehen. Es ist es für uns entscheidend, dass sich die Landwirtschaft im Gleichschritt mit der ägyptischen Wirtschaft weiterentwickelt. Dann ist klar, dass die Tourismusbranche ziemlich unter den Unruhen gelitten hat. Jedoch sind die kulturellen und geografischen Schätze, die Ägypten zu bieten hat, alle intakt geblieben. Bleibt jetzt die politische Situation stabil, wird auch der Tourismus wieder anziehen.

Und bleibt sie stabil?

Ich glaube daran, dass die ägyptische Regierung bemüht bleibt, das Land wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Es hat keine grundlegende Kursänderung der Wirtschaftspolitik seit Mubarak gegeben. Auch unter den Muslimbrüdern dominiert das Unternehmerlager. Wenn es gelingt, die ägyptische Wirtschaft wieder ins Lot zu bringen, wird dies positive Auswirkungen auf die Nachbarn haben.

Gerade mit denen fehlt jedoch ein funktionierender Handel.

Doch er entsteht! Das Land nimmt sich die Türkei, ein wirtschaftlich erfolgreiches islamisches Land, zum Vorbild. Vor allem in die Golfregion und nilaufwärts verstärkt Ägypten seine Beziehungen.

Welchen Einfluss hat die Mittelschicht?

Die ägyptische Mittelschicht war der Hauptträger der Revolution und ist der politisch aktivste Teil der ägyptischen Gesellschaft! Sie wird nun, nach Entdeckung der eigenen Stärke, entschiedener die eigenen Rechte einfordern. Viele Angehörige der Mittelschicht sind gut ausgebildet und jung. Ägyptens Universitäten brauchen jetzt hohe Qualität und vor allem Autonomie! Investitionen in Bildung und Ausbildung, auch aus dem westlichen Ausland, können die Wirtschaftskraft Ägyptens stärken.

Arend Oetker (74) ist Chef der Oetker Holding und Enkel von August Oetker. Sein Unternehmen produziert Babynahrung, Marmelade und Cerealien. In Ägypten beschäftigt er 1000 Mitarbeiter.

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