Wirtschaft : Investment-Analysten halten Asien die Treue

Trotz der jüngsten Rückschläge an den Finanzmärkten wird ein Engagement empfohlen / Gewaltiges Wachstumspotential

FRANKFURT (MAIN) (ina / HB).Die asiatischen Finanzmärkte durchleben derzeit heftige Turbulenzen.Dennoch wollen Experten die Investmentbranche in Asien keineswegs abschreiben.Im Gegenteil: Die Wachstumsdynamik soll sich noch beschleunigen.Das glaubt zumindest Robert Pouliot von RCP & Partners, einer Gesellschaft zur Bewertung von Investmentfirmen mit Sitz in Hongkong und Genf.Pouliot beruft sich dabei auf die Ergebnisse einer im September 1996 durchgeführten Umfrage bei annähernd 200 Investmentfirmen in Asien, allerdings mit Ausnahme Japans. Danach schaffen unter anderem neue Pensionspläne und die rasche Zunahme der Privatvermögen günstige Bedingungen für die Branchenentwicklung.Das jährliche Plus regionaler Pensionspläne erreiche beispielsweise 25 Prozent in Hongkong und 50 Prozent in Thailand.Der Gesamtwert dieses Vermögens von circa 120 Mrd.Dollar im vergangenen Jahr könne im Jahr 2000 die Marke von 200 Mrd.Dollar leicht überschreiten.Weitere Wachstumsimpulse gingen von den sich entwickelnden Rentenmärkten in Asien aus. Vor wenigen Jahren praktisch noch nicht existent, könnten in den nächsten zehn Jahren Schuldtitel im Wert von 100 bis 150 Mrd.Dollar ausgegeben werden.Treibende Kraft sei nicht zuletzt die enorme Nachfrage regionaler und ausländischer instutioneller Anleger nach höher verzinslichen Anleihen.Sie treffe auf einen gewaltigen Finanzierungsbedarf in der Region.In der in Zusammenarbeit mit KPMG, Watson Wyatt Worldwide und The WM Company durchgeführten RCP-Studie wurden rund 200 Gesellschaften mit einem Anlagevermögen von circa 270 Mrd.US-Dollar erfaßt.Zudem veröffentlichte RCP eine Liste der größten Gesellschaften mit Sitz in Hongkong, Malaysia, Singapur, Taiwan und Thailand, deren Rangfolge sich an der Höhe der in Asien (inklusive Japan) verwalteten Gelder orientiert. Für die Top 100 in den genannten fünf Ländern kommt RCP per September 1996 auf eine Vermögenssumme von rund 184 Mrd.Dollar.Lediglich die ersten vier Gesellschaften liegen mit der Höhe der verwalteten Gelder über der Schwelle von 10 Mrd.Dollar, nämlich Jardine Fleming, HSBC, AIG und Baring, allesamt in Hongkong ansässig.Neue Zahlen will RCP erst im Februar nächsten Jahres vorlegen, denn die Sammlung und Aufbereitung der Daten aus der Region ist zeitaufwendig.Nach Angaben von RCP war Hongkong bisher das einzig bedeutende Zentrum für Investmentmanagement.Die ehemalige Kronkolonie verliere allerdings ihren Anteil am regionalen Kuchen an die Tochtergesellschaften der eigenen Investmenthäuser und an lokale und internationale Newcomer in den anderen vier Ländern. Der Trend zu regionalen Investmenthäusern habe seine Anfänge in den 80er Jahren, angeführt von Firmen wie Jardine Fleming, Rothschild, Mees Pierson, Fidelity und LGT.Die besten Wachstumschancen sieht Pouliot denn auch nicht in Hongkong.Er wittert das größte Potential in Malaysia und Taiwan.Beispielsweise habe sich die Zahl der Managementgesellschaften in Malaysia in wenigen Jahren verdreifacht.Starke Dynamik soll auch von Indonesien, den Philippinen und Korea ausgehen, allerdings von sehr niedriger Basis.Per September 1996 beziffert RCP den Marktanteil der in Hongkong und Singapur ansässigen Gesellschaften unter den Top 100 auf 36 Prozent und 9 Prozent. Laut RCP wird Asien als Anlageregion unter den internationalen Investoren - trotz der jüngsten Rückschläge - in absehbarer Zeit wieder in Mode kommen."Die sitzen in den Startlöchern", beobachtet Pouliot.Spätestens im zweiten Halbjahr 1998 stehe eine Umorientierung der globalen Kapitalströme von Nord- und Lateinamerika Richtung Asien und Europa an: "Das wird die größte Bewegung seit 1993, als die Investoren massiv in den Schwellenländern einstiegen."

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