Wirtschaft : Investmentgeschäft: Die Baisse schlägt auf die Banken durch

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Wer sich einen Eindruck über die Lage des US-Investmentgeschäfts verschaffen will, muss sich nur die täglichen Mails des Informationsdienstes IPO-Monitor ansehen. In den vergangenen Jahren verschickte der Info-Dienst für Börsengänge ellenlange Listen über geplante IPOs. Jetzt fasst meistens nur ein Wort die Pläne zusammen: "Keine". Der IPO-Markt ist mit der gefallenen Börse kollabiert. In diesem Jahr haben schon mehr als 60 Firmen ihren Börsengang abgesagt. Für die Investmenthäuser ist das eine bittere Pille, ist doch die Begleitung der Börsengänge eines ihrer Hauptgeschäfte. Der andere Bereich mit hohen Margen ist die Beratung bei Fusionen und Übernahmen (Mergers & Akquisitions). Da sieht es nicht besser aus. In den ersten Monaten dieses Jahres betrug das Volumen der angekündigten Fusionen nur ein Drittel des Vorjahres. Die Manager schrecken wegen der unsicheren Börse vor Übernahmen zurück, da Akquisitionen oft mit eigenen Aktien bezahlt werden.

"Die anhaltende Schwäche der Nasdaq wird auf kurze Sicht das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen sowie mit Aktienemissionen schwächen", sagt Analyst Guy Moszkowski von der Investmentbank Salomon Smith Barney. Ein großer Teil der zurückliegenden Emissionen ging auf Technologieunternehmen zurück, die an der elektronischen Börse Nasdaq notiert werden.

In den kommenden Monaten wird der Abschluss einiger angekündigter Fusionen noch positiv auf die Bilanzen der Banken wirken. Danach sieht es erst mal düster aus. Die in dieser Woche bekannt gegebenen Quartalsergebnisse unterstrichen das schwierige Umfeld für die Investmenthäuser. Morgan Stanley Dean Witter etwa verbuchte einen Gewinnrückgang um 30 Prozent. Der Nettogewinn von Bear Stearns fiel sogar um 40 Prozent. Der Profit von Lehman Brothers ging um 29 Prozent zurück. Goldman Sachs unterbot mit einem Gewinnrückgang von 13 Prozent die bereits reduzierten Erwartungen von vielen Analysten am meisten.

Wegen der unsicheren Börsenlage scheuen sich viele Analysten, die Zukunft der Investmentbanken genau zu prognostizieren. Im Jargon der Wall Street heißt das "schlechte Sichtverhältnisse". Aber Analyst Moszkowski macht Anlegern mit den Erfahrungen der Vergangenheit Hoffnung. "Es ist wichtig, sich zu erinnern, dass sinkende Zinsen in der Regel für ein besseres Geschäftsumfeld auf Sicht von sechs bis zwölf Monaten sorgen", sagt Moszkowski. Die US-Notenbank Fed hat am Dienstag den kurzfristigen Leitzins um 0,5 Basispunkte zurückgenommen. Die Börse reagierte mit weiteren Verlusten.

Aber Investmentstrategen glauben, dass weitere Zinssenkungen bevorstehen. Moszkowski erwartet denn auch deutliche Kurssteigerungen für die Investmentbanken. Es sei jedoch schwierig einen Erholungsauslöser zu sehen, weil sich der Aktienmarkt noch nicht stabilisiert habe. Auch Analyst Mark Constant von der Investmentbank Lehman Brothers sagt, dass die kurzfristigen Aussichten für die Investmentbanken nicht gut sind. Er sagt zudem, dass die Gewinnerwartungen in Zukunft wohl weiter nach unten revidiert werden müssten. Aber angesichts der derzeitigen Kursschwäche dürften selbst schlechte Ergebnisse nicht zu neuen Kurseinbrüchen führen - insbesondere nicht vor dem Hintergrund sinkender Zinsen, sagt Constant.

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