Wirtschaft : IWF: Der Währungsfonds zieht sich nicht aus Afrika zurück

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Der Internationale Währungsfonds (IWF) wird sich nicht aus Afrika zurückziehen. Wie der geschäftsführende Präsident des IWF, Horst Köhler, am Freitag in Berlin erklärte, käme ein Rückzug einer "politisch-psychologischen Diskriminierung" gleich. Afrika gehöre zur internationalen Gemeinschaft, betonte Köhler und wies damit Forderungen nach einem Rückzug aus der Armutsbekämpfung zurück. Die Unterstützung der Armen bleibe eine Hauptaufgabe des Fonds. Es gebe keine glaubwürdige Politik, würde man Teile der Welt ausklammern. Seit seinem Amtsantritt Anfang Mai hat Köhler Asien, Afrika und Lateinamerika bereist. Zurzeit hält er sich in Europa auf. Nächste Woche besucht er Prag, wo vom 23. bis zum 29. September die IWF- und Weltbank-Jahrestagung stattfindet.

Nach dem Ausbruch der Asienkrise vor drei Jahren war der IWF ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Der Führung des Fonds wurde vorgeworfen, keine ausreichende Krisenpräventionen zu betreiben und durch die Kreditpolitik erst zum Entstehen krisenhafter Lagen beizutragen. Im Rahmen dieser Diskussion wurden auch die Stimmen wieder lauter, die sich an der Ausrichtung des Fonds stören. In den vergangenen Jahren hatte sich der IWF unter der Führung des Franzosen Michel Camdessus immer mehr den Arbeitsfeldern der Weltbank genähert. Ursprünglich als eine Art Feuerwehr eingerichtet, die Entwicklungsländern beim Ausgleich akuter Zahlungsbilanzdefizite unter die Arme greifen sollte, arbeitete sich der IWF immer stärker auf das Gebiet der Entwicklungsarbeit vor - die eigentliche Domäne der Weltbank.

Das erklärt den Ruf nach klarerer Arbeitsteilung zwischen Fonds und Weltbank und effizienteren Strukturen. Zusätzlicher Druck kommt aus dem US-Kongress. Der hatte den Wirtschaftsprofessor Allan Meltzer mit einer Studie zur Reform des IWF beauftragt. Im so genannten Meltzer-Report wird ein radikaler Rückzug des IWF gefordert. Demnach soll sich der Fonds auf seine ursprünglichen Aufgaben besinnen und die langfristige Entwicklungsfinanzierung der Weltbank überlassen. Vom neuen IWF-Präsidenten wird nun spätestens zur Jahresversammlung in Prag ein verbindliches Reformkonzept erwartet. Dabei steht Köhler unter dem besonderen Druck, zwischen zahlreichen Kritikern aus allen Lagern vermitteln zu müssen. Zusehends wächst auch eine breite Kritik in der Öffentlichkeit. Immer deutlicher treten Vertreter von Nichtregierungsorganisationen in Erscheinung, die im IWF wie auch in der Weltbank nichts anderes als Ausbeuter der Dritten Welt zu erkennen vermögen. Für die Prager Herbsttagung wird bereits mit 50 000 Demonstranten gerechnet - bei 20 000 Delegierten.

Die Kernfragen, die sich Köhler zurzeit stellt, lauten: Wie kann der IWF künftig auf Krisen reagieren und wie kann er einen effizienteren Beitrag zu stabilem und dauerhaftem Wirtschaftswachstum in den Schwellen- und Entwicklungsländern leisten? Grundsätzlich plädiert er für eine engere Zusammenarbeit mit Weltbank oder Welthandelsorganisation, wobei er strikte Arbeitsteilung voraussetzt. Der Fonds werde zwar weiter im Ernstfall ein finanzielles Sicherheitsnetz bieten, doch weder Kreditgebern noch Kreditnehmern das Risiko abnehmen. Neben einem Schuldenerlass sei die Öffnung der Märkte unerlässlich.

Sein endgültiges Reformkonzept werde keine Veränderung der Statuten erforderlich machen, sagte Köhler weiter, wohl aber eine Veränderung in Teilen der Politik. Es gehe weder um Ideologie noch um Dominanz, sondern um einen Interessenausgleich. "Reich und arm kann man nicht antiseptisch voneinander trennen", betonte er. Auf seinen Reisen habe er ermutigende Erkenntnisse gewonnen. Das Vertrauen in Marktwirtschaft und Demokratie sei mittlerweile viel tiefer verankert. Die meisten Länder seien von der Notwendigkeit zur Strukturanpassung überzeugt. "Niemand in der Dritten Welt hält nur die Hand auf", sagte Köhler.

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