Wirtschaft : IWF: Trübe Aussichten für die Weltwirtschaft

WASHINGTON (zz/HB).Die weltwirtschaftlichen Perspektiven haben sich weiter eingetrübt.Das schreiben die Ökonomen des Internationalen Währungsfonds (IWF), die wie im Vorjahr ihren erst vor drei Monaten vorgelegten "Weltwirtschaftsausblick" - der üblicherweise nur im Frühjahr und im Herbst erscheint - aktualisiert und der jüngsten Entwicklung angepaßt haben.Der IWF rechnet jetzt für 1998 wie für 1999 mit einem globalen Aufschwung von jeweils 2,2 Prozent.Für 1999 ist dies genau die Hälfte der Vorhersage vom Oktober 1997.Insgesamt habe sich die Lage auf den Weltmärkten seit dem Höhepunkt der Turbulenzen im Herbst zwar beruhigt, doch seien neue Einbrüche nicht auszuschließen, heißt es in dem Bericht.Im Jahre 2000 soll der weltweite Aufschwung wieder 3,5 Prozent betragen.

Obwohl die Geldpolitik die Ruhe an den Finanzmärkten wiederhergestellt habe, ist es nach Meinung des Weltwirtschaftsausblicks "voreilig anzunehmen, daß die Schwierigkeiten schon vorüber sind".Zwar habe sich "die Gefahr einer globalen Rezession scheinbar verringert".Aber "die Lage an den Finanzmärkten bleibt in mehrerer Beziehung fragil".

Für Deutschland ist der IWF noch einigermaßen optimistisch: Er erwartet für 1998 ein Wirtschaftwachstum von 2,7 Prozent, für 1999 aber nur 2,0 Prozent.Damit hat der IWF seine Prognose vom Oktober um 0,5 Prozentpunkte heruntersetzt.Frankreich wird nach Auffassung der Ökonomen mit 3,0 und 2,6 Prozent etwas besser abschneiden.Das neue Euroland insgesamt wird 1998 um 2,8 und 1999 um 2,4 Prozent wachsen.Die USA werden in diesem Jahr noch 3,6 Prozent zulegen, 1999 dagegen nur 1,8 Prozent.Japans Wirtschaft wird in diesem Jahr um 2,8 Prozent schrumpfen und 1999 um weitere 0,5 Prozent.

Die "verbleibenden Risiken" definiert der Weltwirtschaftsausblick so: Einige Entwicklungsländer werden es schwer haben, ihre Schulden zu bezahlen, wenn sich die privaten Kapitalzuflüsse nicht von ihrem niedrigen Niveau erholen.Japans wirtschaftliche Perspektiven bleiben ungewiß, weil die jüngsten wirtschaftspolitischen Initiativen umstritten sind.Die starke Erholung der Aktienmärkte hat in einigen Ländern, speziell in den USA, die Kurse auf ein Niveau gebracht, das nach Meinung der IWF-Ökonomen nicht als dauerhaft anzusehen ist.

Die Verbraucherpreise werden in den Industriestaaten 1998 und 1999 nur um jeweils 1,6 Prozent steigen.Die in den vergangenen Monaten vorgenommenen Erleichterungen in der Geldpolitik werden sich nach Meinung der IWF-Ökonomen zunächst stimmungsmäßig, dann aber auch real positiv für die Weltwirtschaft auswirken.Die Geldpolitik sei "hilfreich bei der Stimulierung oder bei der Stützung der Nachfrage und der wirtschaftlichen Aktivität", heißt es im Weltwirtschaftsausblick.Gleichwohl sei eine Erleichterung der Geldpolitik dort nicht zu empfehlen, wo - wie in Nordamerika und Westeuropa - mittelfristig eine Haushaltskonsolidierung zur Verringerung der Schuldenlast notwendig sei.

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