Wirtschaft : Jack Welch: Was zählt: "Gute Unternehmen können Leidenschaft entfachen"

Karin Birk

"General Electric zu leiten, war das größte Abenteuer meines Lebens", schreibt Jack Welch in seiner Autobiografie "Was zählt", die jetzt als deutsche Übersetzung beim Econ-Verlag erschienen ist. "Hätte ich einen anderen Beruf wählen sollen, so hätte ich mich wahrscheinlich für eine Karriere als Golfprofi entschieden." Dieser Sport verbinde zwei Dinge, die er liebe: Menschen und Wettkampf.

Eindrücklich und spannend beschreibt er, wie er mit großem sportlichen Ehrgeiz und der Fähigkeit, gute schlagkräftige Teams zusammenzustellen, aus dem "schwerfälligen Supertanker" General Electric eine "Schnellboot" machte. Ihm, dem Bürokratie verhasst und Hierarchien suspekt waren, stutzte Managementebenen zusammen, verkaufte unrentable Unternehmensteile, kaufte bessere hinzu. Ein Konzern wie General Electric könne nur dann langfristig profitabel sein und sichere Arbeitsplätze schaffen, wenn es schnell und anpassungsfähig sei. Das hieß aber auch, dass unter Welch, der 1981 das Ruder bei General Electric in die Hand nahm, in den ersten Jahren jede vierte Stelle wegfiel. 118 000 Menschen mussten den Konzern verlassen. Dennoch ist er noch heute überzeugt, dass dies der richtige Weg war. Schwer verletzt habe ihn aber der Beinamen "Neutronen-Jack". Gemeint war jemand, der Menschen auslöschte, Gebäude aber stehen ließ.

Denn Menschen, Mitarbeiter, sind ihm nicht einerlei. Ganz im Gegenteil: Sie zu fordern und zu fördern, das beste in ihnen zum Vorschein zu bringen, in ihnen Leidenschaft zu entfachen, gemeinsam Erfolge zu feiern das ist sein Ziel. Auch er selbst hat jeden seiner Erfolge gefeiert, und wenn es nur mit einem Kasten Bier mit seinen Kollegen gewesen sei. Es ensteht das Bild eines durchsetzungsstarken, zuweilen knallharten, aber auch emotionalen Managers. Eines Mannes, der den Tod seiner Mutter als schlimmsten Tag in seinem Leben beschreibt. Der Frau, die wie niemand anders, sein Selbstvertrauen stärkte, die ihm beim Kartenspiel den Spaß am Wettstreit, aber auch das Verlieren lehrte. Und verloren hat auch er, der als "erfolgreichster Manager des 20. Jahrhunderts" bezeichnet wird. Das größte Geschäft, das er je geplant habe, die Übernahme von Honeywell, musste am Veto der EU scheitern. Dies, so schreibt er, habe er wirklich als "als persönliche Niederlage" empfunden.

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