Wirtschaft : Jack White prüft Wegzug aus Berlin

Henrik Mortsiefer

Berlin - Der angeschlagene Berliner Musikproduzent Jack White (JWP) prüft den Umzug nach München. „Am Mittwoch tagt der Aufsichtsrat, dann entscheiden wir“, sagte JWP-Aufsichtsratschef Hartmut Fromm dem Tagesspiegel. Seine wichtigsten Termine hat JWP bereits in die bayerische Landeshauptstadt verlegt: Die Bilanzpressekonferenz findet an diesem Freitag dort statt, ebenso die Hauptversammlung am 3. Juni. Fromm begründet die Umzugspläne mit Kostengründen. „Zwei Standorte sind zu teuer – München wäre für Jack White viel günstiger.“ Sitz der JWP ist Berlin, in München unterhält das Unternehmen eine Dependance und Aufnahmestudios.

Die seit 1999 an der Börse notierte Firma hat Schlagerstars wie Heino oder Hansi Hinterseer unter Vertrag und vermarktet die Rechte an mehr als 100 000 Musiktiteln. Zuletzt war die Gesellschaft nach einem Einbruch des US-Geschäfts in schwere Turbulenzen geraten. Firmengründer und Schlagerproduzent Jack White („Schöne Maid“, „Fußball ist unser Leben“) hatte den Vorstand im Januar verlassen. Bereits im September 2006 war sein Sohn als Finanzvorstand entlassen worden. Seitdem führt der ehemalige Bertelsmann-Manager Thomas Stein die Geschäfte allein.

Erwartet wird, dass Umsatz und Gewinn 2006 drastisch eingebrochen sind. Nach neun Monaten waren die Erlöse auf 7,9 Millionen Euro (Vorjahr: 18,3 Millionen) geschrumpft, aus einem Gewinn von 2,6 Millionen Euro wurde ein Minus von 5,3 Millionen Euro. „Es ist davon auszugehen, dass die Zahlen für das Gesamtjahr nicht besser sind als im dritten Quartal“, sagte Vorstandschef Stein dem Tagesspiegel. Man habe „viele Geschäfte durchforstet“, deutete er an, ohne Details der Untersuchung zu nennen. Zu einem möglichen Umzug des Unternehmens äußerte er sich nicht: „Das muss die Hauptversammlung entscheiden.“

Ende März hatte JWP die Sonderprüfung seiner US-Beteiligung Hot JWP ausgeweitet. Streitigkeiten mit der Firma hatten Aufwendungen in Höhe von knapp fünf Millionen Euro verursacht. Außerdem ist das Geschäft der US-Tochter VI Music, die Latin Music vertreibt, massiv zurückgegangen. Weitere „böse Überraschungen“ seien hier aber nicht zu erwarten, glaubt Aufsichtsratschef Fromm.

Aktionärsvertreter schlagen dennoch Alarm. „Aufgrund der uns vorliegenden Informationen ist damit zu rechnen, dass JWP sehr schlechte Zahlen vorlegen wird“, sagte Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. „Die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft ist gefährdet.“ Es sei „sehr misslich“, dass JWP keinen Finanzvorstand habe. Nach dem Ausscheiden von Jack White verstoße das Unternehmen gegen die eigene Satzung, die einen zweiten Vorstand vorschreibe. Zu den Umzugsplänen sagte Kunert: „Es kann nicht sein, dass Jack White nach München umzieht, nur weil der Chef dort wohnt.“

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