Jahresbilanz der BASF : Die Chemie stimmt

Der weltgrößte Chemiekonzern will sich auch 2012 bei Umsatz und Gewinn selbst übertreffen.

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Es brummt bei der BASF. Am Stammsitz in Ludwigshafen präsentierte der Konzern am Freitag seine Zahlen.
Es brummt bei der BASF. Am Stammsitz in Ludwigshafen präsentierte der Konzern am Freitag seine Zahlen.Foto: dapd

Berlin – Schuldenkrise? Konjunktursorgen? Nicht beim weltgrößten Chemiekonzern BASF. Gleich bei seiner ersten Jahresbilanz in Ludwigshafen überraschte Konzernchef Kurt Bock Aktionäre und Analysten mit ungebrochenem Optimismus. „Wir streben an, bei Umsatz und bereinigtem Ergebnis (Ebit) die Spitzenwerte des Jahres 2011 wiederum zu übertreffen“, sagte der Vorstandsvorsitzende am Freitag. Sein Vorgänger Jürgen Hambrecht, dem Bock im Mai 2011 im Amt gefolgt war, hatte sich bei den Prognosen stets zurückhaltend gezeigt.

„Wir rechnen damit, dass das weltweite Wirtschaftswachstum nach einem moderaten Start im Jahresverlauf 2012 anziehen wird“, sagte Bock. Zwar würde derzeit die Staatsschuldenkrise die Wachstumsaussichten dämpfen, BASF erwarte aber positive Impulse von den Schwellenländern. Die ersten beiden Quartale 2012 dürften nach der BASF-Prognose schwächer ausfallen als im Vorjahr, wo der Konzern durch den Aufschwung von Nachholkäufen profitiert hatte. Im zweiten Halbjahr wolle man dann die  Vorjahreswerte übertreffen, sagte Bock. Alle großen Industriesparten mit Ausnahme des Basischemie-Bereichs sollen dieses Jahr ihr Ergebnis erhöhen.

„Der positive Ausblick für die globale Wirtschaft und BASF ist überraschend“, erklärten die Analysten der DZ Bank. Auch die Kollegen der LBBW werteten ihn als „sehr positiv“, waren sie doch selbst für 2012 von einem Rückgang beim Ergebnis ausgegangen – zumal die großen US-Rivalen Dow Chemical und Dupont mit ihren Zahlen zuletzt enttäuscht hatten. Anleger honorierten den Optimismus und griffen am Freitag zu: Die BASF-Aktie stieg am Vormittag an die Dax-Spitze, rutschte zum Abend hin aber leicht ins Minus.

Ein Risiko für den Konzern bleibt 2012 der Ölpreis. Der Rohstoff ist die wichtigste Basis für viele Chemieprodukte und Kunststoffe. „Die Entwicklung des Ölpreises ist aktuell unsere größte Sorge“, sagte Bock. Grundlage des positiven Ausblicks ist ein Jahresschnitt von 110 US-Dollar pro Fass der Nordsee-Ölsorte Brent. Derzeit liegt der Preis aber bei mehr als 123 US-Dollar. Spannungen zwischen dem Iran und dem Westen hatten ihn in den vergangenen Wochen deutlich steigen lassen. Allerdings kommt dem Konzern zugute, dass die Tochter Wintershall die Ölförderung in Libyen wieder aufnehmen konnte, die durch den Bürgerkrieg im vergangenen Jahr für mehrere Monate unterbrochen war.

Für das vergangene Jahr konnte der Konzern – wie auch 2010 – Rekorde präsentieren: Der Überschuss legte um mehr als ein Drittel auf 6,2 Milliarden Euro zu, der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um gut 15 Prozent auf den neuen Bestwert von 73,5 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis erhöhte sich um knapp vier Prozent auf 8,4 Milliarden Euro. Aktionäre und Mitarbeiter dürfen sich ebenfalls freuen. BASF will die Dividende auf 2,50 Euro je Aktie erhöhen – 30 Cent mehr als noch im Vorjahr. Und auch die Mitarbeiterbeteiligung stockte das Unternehmen auf. An die 32 000 Mitarbeiter in Ludwigshafen wird insgesamt eine Erfolgsbeteiligung von 300 Millionen Euro ausgeschüttet.

Allerdings bekam die BASF im vierten Quartal bereits die Auswirkungen der sich abschwächenden Konjunktur zu spüren. So ging der bereinigte Betriebsgewinn um 14 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro zurück. „Unsere Kunden disponierten vorsichtiger, reduzierten ihre Vorräte und verzögerten Bestellungen“, sagt Bock. Der Umsatz kletterte von Oktober bis Dezember dennoch um zehn Prozent auf 18,1 Milliarden Euro – auch durch die Integration des Spezialchemiekonzerns Cognis.

In diesem Jahr soll auch die Zahl der Mitarbeiter um 1500 steigen, 500 davon sollen in Ludwigshafen hinzukommen. Derzeit beschäftigt der Chemiekonzern weltweit 111 000 Menschen. Der Standort im brandenburgischen Schwarzheide, wo 1800 Mitarbeiter Kunst- und Schaumstoffe herstellen, profitiert davon jedoch nicht. Ein Wermutstropfen für Deutschland bleibt zudem: Der Konzern hatte erst im Januar beschlossen, die Gentechnik-Sparte aus Limburgerhof in die USA zu verlegen. Es sei nicht sinnvoll, in diese Produkte in Deutschland und Europa zu investieren, wenn es dort keine Akzeptanz geben, sagte Bock. Jahel Mielke

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