Wirtschaft : "Jeder Partner ist für uns auch irgendwie Konkurrenz"

IM INTERVIEW: Michael Benninghaus, Arag-Vorstand - Wie das Familienunternehmen Arag den großen Versicherungskonzernen trotzen will / Fusion mit Winterthur in der Schweiz

Die Vorgänge in der Schweiz beobachtet man auch in Düsseldorf sehr genau.Denn zu Beginn des nächsten Jahres werden die deutsche Arag-Versicherungsgruppe und Winterthur in der Schweiz kooperieren.In Deutschland arbeitet das Familienunternehmen, dessen Flaggschiff die Arag Allgemeine Rechtsschutz-Versicherung AG ist, dagegen bislang ohne starken Partner.Wie kann man angesichts der mächtigen Konkurrenz bestehen? fragte Heike Jahberg den Arag-Vorstand Michael Benninghaus.- TAGESSPIEGEL: Warum sucht sich die Arag nicht auch einen starken Ehe-Partner? BENNINGHAUS: Es ist für die Arag nicht so einfach, strategische Allianzen einzugehen.Wir sind ein Familienunternehmen, das alle Versicherungssparten abdeckt.Das heißt, jeder Partner ist vor allem in der für uns maßgeblichen Rechtsschutzsparte auch irgendwie Konkurrent.Insofern tun wir uns schwerer als die großen börsennotierten Aktiengesellschaften. TAGESSPIEGEL: Warum gehen die anderen zusammen? BENNINGHAUS: Fusionen sind notwendig, weil man heute für den Kunden alle Sparten aus einer Hand anbieten sollte.Wichtigste Sparte aus meiner Sicht ist der Kfz-Bereich, der im Arag-Verbund nur unzureichend vertreten ist.Eine solche Sparte selbst zu einer wirtschaftlich sinnvollen Größe aufzubauen, ist nahezu unmöglich.Hier könnten Partner helfen. TAGESSPIEGEL: Die Arag hatte ja früher Partner aus dem Kfz-Bereich.Doch die haben sich inzwischen neu orientiert.Wer käme noch in Frage? BENNINGHAUS: Ja, die meisten Versicherer sind heute anderweitig gebunden.Außerdem betreiben unsere früheren Partner das Rechtsschutz-Geschäft inzwischen meist selbst.Es gibt allerdings ausländische Unternehmen, die auf dem deutschen Rechtsschutz-Markt nicht aktiv sind, mit denen wir Gespräche geführt haben.Aber zur Zeit gibt es keine erfolgversprechenden Verhandlungen. TAGESSPIEGEL: Die Arag macht ihre Abschlüsse ausschließlich über den eigenen Außendienst.Würde eine Kooperation mit einer Bank das Geschäft nicht beleben? BENNINGHAUS: Wir haben seit unserer Gründung einen eigenen freiberuflichen Außendienst, auf den wir uns stützen und der uns in diese Größenordnung gebracht hat.Wir haben keinen Grund, das zu ändern.Der Allfinanz-Bereich steht bei uns zur Zeit nicht zur Debatte. TAGESSPIEGEL: Aber Versicherungsvertreter verteuern die Abschlüsse ... BENNINGHAUS: Die Versicherer, die keinen eigenen Außendienst haben, kommen meist auf die gleichen Kosten, weil sie das Geld dann in die Werbung stecken müssen. TAGESSPIEGEL: Ihr eigener Firmenchef, Ludwig Faßbender, hat einmal über die Arag gesagt: "Andere Versicherungen bieten ähnliche Produkte wie wir für den halben Preis".Warum sollte man dann zu Ihnen gehen? BENNINGHAUS: Bei den Preisen muß man differenzieren.Man kann nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.Die Arag gibt Rabatte auf längerfristige Verträge, die sich dann natürlich beim Vergleich von Ein-Jahres-Verträgen "negativ" auswirken.Aber der Preis ist heute nicht mehr das wesentliche Verkaufselement.Der Kunde möchte vielmehr rundum umsorgt werden.Wir haben daher zum Beispiel schon vor zwei Jahren eine Service-Gesellschaft gegründet, die rund um die Uhr den Versicherten zur Verfügung steht. TAGESSPIEGEL: Bei der Rechtsschutzversicherung gibt es schwarze Löcher.Wer sich scheiden läßt oder ein Haus baut, kann nicht auf die Hilfe der Versicherung zählen.Halten Sie das für kundenfreundlich? BENNINGHAUS: Tatsache ist, daß bestimmte Auseinandersetzungen wie Scheidungen oder Erbfälle besonders kostenintensiv sind und daher den Familien-Rechtsschutz unnötig belasten würden.Ich erinnere daran, daß auch die normale Wohngebäudeversicherung keinen Schutz vor Hochwasser bietet, weil die Mehrheit der Leute in ihren Gärten niemals Hochwasser haben wird und daher auch keine Prämie dafür zahlen möchte. TAGESSPIEGEL: Aber Scheidungen gibt es doch häufiger als Hochwasser! BENNINGHAUS: Das stimmt.Aber die Rechtsschutzversicherung im Scheidungsfalle ist nur dann zu verkaufen, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.Dann aber ist sie kein wirtschaftlich vernünftiges Versicherungsprodukt mehr.

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