Wirtschaft : Jeder Sechste bekommt Armutslohn IW: Bund soll Billigjobs attraktiver machen

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Berlin - Der Anteil der Arbeitnehmer mit einem sehr geringen Verdienst steigt hier zu Lande. Verdiente 1992 noch jeder Achte weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens, gab es 2004 bereits bei jedem sechsten Arbeitnehmer einen solchen Fall von Einkommensarmut. Das erklärte das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) am Montag in Berlin. Die relative Einkommensarmut sei in Deutschland allerdings eine der geringsten in der Europäischen Union – Irland, Portugal oder Griechenland wiesen sehr viel höhere Raten auf. Auch bestehe im Gegensatz zu Ländern wie Großbritannien kein erhöhtes Armutsrisiko für Jugendliche und Ältere.

Ohnehin werde die tatsächliche Armut mit dieser Maßzahl nicht deutlich. „Diese Sicht vernachlässigt die tatsächliche materielle Lage der Betroffenen“, bemängelte IW-Direktor Michael Hüther. Zudem sei es problematisch, Armut durch den Vergleich mit allen anderen Einkommen zu definieren. Nehme man den mittleren Verdienst als Maßzahl, steige die Armutsquote bereits, wenn Gutverdiener mehr bekämen – sich ansonsten aber nichts ändere. Der Schluss, die Armen würden immer ärmer, sei deshalb falsch, befand Hüther. So seien die unteren Einkommen zwischen 1998 und 2003 um sechs Prozent gestiegen.

Gleichwohl verlangte der Ökonom von der Regierung einen entschlosseneren Kampf gegen Armut. Zum einen müsse es gerade für Kinder aus armen Elternhäusern bessere Bildung geben. Zum anderen sollten vor allem gering qualifizierte Arbeitslose einen höheren Anreiz zur Aufnahme einer Tätigkeit bekommen. „Wir sollten Arbeit fördern, statt Arbeitslosigkeit zu alimentieren“, sagte Hüther. So sollten Zulagen beim Arbeitslosengeld II gekürzt werden, damit auch gering bezahlte Jobs attraktiv würden. Instrumente wie der Mindestlohn oder der Kombilohn seien indes problematisch und vernichteten Arbeitsplätze, sagte Hüther. brö

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