Wirtschaft : Jetzt beginnt der Kampf um die Köpfe

Coaching Center zieht Bilanz / Berlin will Gründerhauptstadt werden

BERLIN (-olm).Nach der Generalmobilmachung auf dem Berliner Markt für Existenzgründungen folgte nun der "Kampf um die Köpfe".Jedes Unternehmen, das seine Geschäftsidee in ein konkurrenzfähiges Produkt am Markt umsetzen kann, zählt.In einer Bilanz nach den ersten sechs Monaten meldete das Technologie Coaching Center TCC am Donnerstag, daß sich die Idee dieser als "Berlin-Modell" gestarteten Einrichtung auf breiter Ebene durchgesetzt hat.Die bisher betreuten 18 Unternehmen, so Rüdiger Diedrigkeit, Leiter der Berliner Niederlassung der Deutschen Ausgleichsbank (DtA), seien nur ein bescheidender Anfang. Ausgelegt ist das TCC, das wegen seiner umfangreichen Bündelung an Fachkompetenzen an einem Ort bundesweit zum Vorbild werden soll, auf 80 Coaching-Projekte in jedem Jahr.Neben der Ausgleichsbank, die den "Rundumservice" für junge High-Tech-Unternehmen zusammen mit der Investitionsbank des Landes (IBB) 1996 auf den Weg gebracht hat, gehören die Industrie- und Handelskammer, die Technologie-Vermittlungs-Agentur, das VDI/VDE-Technologiezentrum, die Technologiestiftung, die Beratungs- und Servicegesellschaft Umwelt und die Senatsverwaltung für Wirtschaft zum Team des TCC.Mit dieser bisher einmaligen Fächerung der Beratungsleistung habe die innovative Förderung junger Unternehmen in Berlin eine ganz neue Qualität bekommen, sagte Diedrigkeit. Einer der Vorteile der angebotenen Leistungspakete ist die kostenlose Beratung.Jedem interessierten Firmengründer, dessen Produkt eine realistische Marktchance hat, wird für die Zeit der Betreuung ein Coach an die Seite gestellt.Er hilft ihm, das gesamte Instrument des Angebots in Anspruch zu nehmen.Die Regel ist, daß im Durchschnitt zunächst zehn sogenannte Mann-Stunden verabredet werden, um den diskutierten Geschäftsplan wasserdicht zu machen. Die Ideen, mit denen das TCC-Team konfrontiert wird, beschreibt Diedrigkeit als qualitativ ausgezeichnet.Dabei sei das Projekt nicht entwickelt worden, um den Firmengründern die Arbeit abzunehmen.Man habe lediglich die Funktion des Lotsen übernommen, stehe mit Rat und Tat zur Seite und achte darauf, daß keine unnötigen Fehler gemacht werden."Wir halten uns im Hintergrund.Den Job des Unternehmers können und wollen wir nicht ausfüllen". Hintergrund dieser Bescheidenheit ist die inzwischen lange Strecke der Beratung und Förderung.Auch in Berlin sieht man sich inzwischen kritischen Fragen ausgesetzt, die auf das Gefahrenpotential einer übertriebenen Sorgfaltspflicht verweisen.Eine Gründerszene, in der dem Einsteiger alle Probleme abgenommen werden, ist auf Dauer nicht lebensfähig.Dennoch setzt sich Diedrigkeit leidenschaftlich für eine konstruktive Hilfestellung ein.Der Aufwand, der betrieben werde ­ zehn Mann-Stunden kosten etwa 20 000 DM ­ stehe in gar keinem Verhältnis zum Erfolg.Außerdem bleibe stets ein Restrisiko bestehen, das die Firmengründer allein zu tragen hätten.Darüber hinaus seien die durch Globalisierung und Marktdichte provozierten Anforderungen an den heutigen Unternehmer derart gestiegen, daß eine Begleitung in der Anfangsphase der Firmengründung noch für lange Zeit ohne Alternative sei. In Berlin sieht Diedrigkeit noch ein großes Potential an Ideen und unternehmerischen Kräften, die künftig noch stärker gefördert und umgesetzt werden müßten."Noch sind wir nicht Gründerhauptstadt, aber wir könnten es werden", sagte der Banker.Mit dem Coaching Center, das den Service noch weiter verbessern will und seine Aktivitäten im nächsten Jahr auch auf andere Bundesländer ausdehnen möchte, sieht sich Diedrigkeit auf dem richtigen Weg.

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