Wirtschaft : Jil Sander: Modekonzern verkauft sich gut

Nach dem ersten vollen Geschäftsjahr des Modekonzerns Jil Sander unter den Fittichen des Mailänder Modehauses Prada weist nicht nur die Bilanz positive Zahlen aus. Konzernchef Patrizio Bertelli verwies in der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch in Hamburg mehrmals auf den Börsenkurs, der seit der Übernahme der Mehrheit der Jil Sander AG durch Prada von damals 250 Euro auf mehr als 400 Euro (782 Mark) gestiegen sei. 20 Prozent der Vorzugsaktien sind im Streubesitz, der Rest gehört Prada. Bei den Stammaktien hatte die Modedesignerin Jil Sander im August 1999 die Mehrheit an die Italiener verkauft und selbst 25 Prozent behalten.

Die Erlöse stiegen 2000 um 16,4 Prozent auf 263,7 Millionen Mark. "Das ist die höchste Wachstumsrate seit 1996", sagte Bertelli. Das Wachstum bis zum Jahr 2000 sei lediglich durch die Herrenkollektion erreicht worden, die im vergangen Jahr um 26,5 Prozent auf 55,5 Millionen Mark zulegte. Die Damenoberbekleidung brachte Zuwächse von 14,5 Prozent auf 203 Millionen Mark.

Bei der Bekleidung fehlte nach den Worten von Bertelli Ware zu "mittelhohen Preisen". Stoffe für 20 Mark der Meter oder Baumwollhemden aus Indien genügten den Ansprüchen des Modestrategen nicht mehr. Ein höherer Rohstoffaufwand für eine bessere Produktqualität bedeutet in den Büchern aber einen um 1,3 Prozentpunkte niedrigeren Rohertrag. Andererseits ermöglichte die qualitative Stärkung der Marke es, im Durchschnitt 20 Prozent höhere Verkaufspreise durchzusetzen. "Sicher ist Frau Sander für die Umsatzerlöse 2000 noch mitverantwortlich", räumte Bertelli ein, denn die Designerin hatte an letztjährigen Kollektionen noch mitgewirkt. Erst zwei Kollektionen fallen gänzlich unter die neue Ägide. 2000 blieb ein Jahresüberschuss von 9,5 Millionen Mark, ein Plus von 17,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

"Wir wollen die Präsenz von Jil Sander auf der Welt vervollständigen", sagte Bertelli. Der Exportanteil liegt schon bei über 70 Prozent. Rund 139 Millionen Mark werden 2001 in neue Läden in Düsseldorf, Taipeh, London, New York und Los Angeles investiert. Davon flossen bereits 54 Millionen Mark nach Japan. Zur Finanzierung verwies Finanzvorstand Bernhard Wirmer auf Prada: "Wir profitieren davon, dass wir zu einem großen Konzern gehören." Und der stellt dafür Bürgschaften und Garantien. Der Ausbau schlägt sich auch in der bisher höchsten Mitarbeiterzahl von 585 nieder.

Bei Prognosen für 2001 versteckte sich Bertelli hinter dem von Prada angestrebten Börsengang an die Mailänder Börse, der die Veröffentlichung von Zahlen beispielsweise für das erste Quartal nicht erlaube. Einen Zeitpunkt für den Börsenstart hatte er nicht parat: "Wir nehmen für uns die Freiheit in Anspruch, zu entscheiden, wann wir an die Börse gehen."

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