Jobabbau : Werkstattkette ATU will hunderte Stellen streichen

Die Werkstattkette Auto-Teile-Unger (ATU) reagiert auf die schlechter laufenden Geschäfte und baut in Deutschland mehrere hundert Arbeitsplätze ab.

BerlinDas Unternehmen agiere derzeit in einem sehr schwachen Marktumfeld, sagte ein Sprecher des Unternehmens dem Tagesspiegel. Wegen der gestiegenen Benzinpreise bleibe dem durchschnittlichen Verbraucher immer weniger Geld für die Wartung seines Autos übrig. Zu einem Bericht der „Automobilwoche“, wonach ATU bundesweit 1000 der insgesamt 14 000 Arbeitsplätze streichen will, sagte der Sprecher: „Das ist falsch, es sind deutlich weniger.“ Eine genaue Zahl wollte er jedoch nicht nennen. „Das steht noch nicht fest.“ Zuvor müsse jede der bundesweit 600 Filialen einzeln betrachtet werden. „Filialschließungen wird es nicht geben“, ergänzte der Sprecher.

Experten aus der Branche gehen jedoch davon aus, dass es im Schnitt einen Mitarbeiter pro Filiale treffen wird – das wären dann rund 600 Mitarbeiter. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Weiden in der Oberpfalz. In Berlin hat ATU inzwischen 20 Filialen mit insgesamt rund 500 Mitarbeitern. In Potsdam und der weiteren Umgebung sind es weitere zehn Filialen.

Über das Jahr verteilt macht ATU im Winter das meiste Geschäft. Doch wegen der milden Witterung in den vergangenen beiden Jahren, lief der Verkauf von Winterreifen nur schleppend. Um weniger saisonabhängig zu sein, will ATU nun verstärkt neue Geschäftsfelder wie etwa die Betreuung von Firmenfuhrparks erschließen. Die Probleme beim Reifengeschäft führten dazu, dass das operative Ergebnis bei ATU von 160 Millionen Euro in 2006 auf knapp 105 Millionen Euro im vergangenen Jahr zurückging.

Eigentümer von ATU sind die US-Investorengruppe Kohlberg Kravis Roberts (KKR) und die britische Beteiligungsgesellschaft Doughty Hanson. ATU hatte in den Vergangenheit schwer unter den Schulden gelitten, die die Finanzinvestoren der Werkstattkette durch die Übernahme aufgebürdet hatten. Im Frühjahr drohten die Kredite ATU zu strangulieren. Die Investoren mussten 140 Millionen Euro frisches Kapital zuschießen.

„Jetzt wird auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen, was in der Geschäftspolitik schiefgegangen ist“, sagte eine Sprecherin der IG Metall in Frankfurt am Main. Es habe bereits im Frühjahr Entlassungen gegeben. Nun stünden weitere an, eine genaue Zahl nannte auch die Gewerkschafterin nicht. Der ATU-Sprecher bestätigte den Abbau von 350 Arbeitsplätzen im Frühjahr. Dies sei eine Folge des erhöhten Personalbedarfs in den Wintermonaten und eine saisonal übliche Schwankung. Der nun anstehende Personalabbau solle möglichst sozialverträglich geschehen. Betriebsbedingte Kündigungen wollte er aber nicht ausschließen. vis

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