Wirtschaft : Jukos fürchtet baldige Pleite Konzern will Verkauf des Kerngeschäfts verhindern

Elke Windisch

Moskau - Der russische Ölkonzern Jukos hält in den kommenden Wochen eine Insolvenz für unausweichlich, wenn der Staat seine Drohung wahr macht und die wichtigste Produktionstochter verkauft. Es werde alles versucht, die Gelder für die Begleichung der milliardenschweren Steuerschuld aufzubringen, erklärte Jukos am Donnerstag in Moskau. Sollte das aber ohne Erfolg bleiben und die Tochter Jukanskneftegas tatsächlich verkauft werden, „wäre das Management des Unternehmens gezwungen, den Bankrott von Russlands größter Ölfirma zu erklären“, hieß es. Die Jukos-Aktie brach nach der Erklärung erneut massiv ein.

Die russischen Behörden hatten am Dienstag mitgeteilt, sie wollten Jukanskneftegas verkaufen, um die Steuerschulden von Jukos in Höhe von 2,8 Milliarden Euro aus dem Jahr 2000 einzutreiben. Das Teilunternehmen liefert mit 26 Ölfeldern in Westsibirien fast zwei Drittel der gesamten Jukos-Produktion. Analysten bewerten das Unternehmen mit rund 15 Milliarden Dollar (12,2 Millionen Euro). Jukos veröffentlichte diese Woche eine Schätzung, die den Wert auf 30,4 Milliarden Dollar bezifferte. Als potenzielle Käufer werden bisher Surgutneftegas, der staatlichen Ölkonzern Rosneft und Gasprom gehandelt.

„Die nächsten drei Wochen werden für die Zukunft des Unternehmens sehr kritisch“, sagte Jukos-Chef Steven Theede. „Uns wird das Geld ausgehen, und wir werden irgendwann in der ersten Augusthälfte nicht mehr in der Lage sein, unsere Exportverpflichtungen zu erfüllen.“ Zusammen mit Nachforderungen aus den Jahren 2002 und 2003 könnten sich die Steuerschulden von Jukos auf rund zehn Milliarden Dollar summieren, schätzen Analysten. Die Jukos-Aktien sackten am Donnerstag um mehr als zehn Prozent auf ein neues 30-Monatstief von 5,10 Dollar.

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