Junge Gründer in Berlin : Cornelia Yzer im Start-up-Versuchslabor

Umarmen statt gefressen werden: Die Firma Immobilienscout24 fördert seit 2010 Start-ups. Jetzt besuchte Wirtschaftssenatorin Yzer das Projektzentrum.

Fritz Zimmermann
Will Gründer voranbringen: Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer.
Will Gründer voranbringen: Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer.Foto: dpa

Die besten Ideen entstehen an ungewöhnlichen Orten – zum Beispiel in der Regionalbahn von Stettin nach Berlin. Der ganze Zug sei voller Putzfrauen gewesen, die zum Arbeiten nach Berlin pendelten, erzählt Sergej Soft. Da kam ihm seine Idee: ein Online-Marktplatz für Putzkräfte. In Berlin angekommen, war die Internetseite „in einer Nacht gebaut“, wie der 33-jährige Deutsch-Russe sagt. Und seit Juni ist Cleanberlin.org in Betrieb: Für 15 Euro pro Stunde können sich die Nutzer hier nun „eine Putzfrau bestellen, wie sonst ein Taxi“, sagt Soft. Rund 800 freiberufliche Putzkräfte haben sich bereits registriert. Sie zahlen am Ende des Monats 15 Prozent ihrer Erlöse als Provision an den Betreiber.

Unterstützung im Versuchslabor

Cleanberlin ist nur eines von fünf Start-up-Unternehmen, das im sogenannten Inkubator des Berliner Online-Marktplatzes Immobilienscout24 seine Ideen für neue Geschäftsmöglichkeiten im Internet verwirklicht. Seit 2010 betreibt Immobilienscout24 diesen Inkubator als eine Art Versuchslabor: Start-ups werden ins Haus geholt und für eine befristete Zeit von maximal einem Jahr finanziell und logistisch unterstützt.

Anlässlich des 15-jährigen Bestehens des Unternehmens besuchte auch Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) am Freitag das Versuchslabor – und bekannte, zur Zeit gut eine Putzfrau von Sergej Soft gebrauchen zu können. Erst am Donnerstag hatte sie als Berichterstatterin in der Arbeitsgruppe Wirtschaft an den Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD teilgenommen. Dabei einigten sich beide Seiten auf eine stärkere Förderung von Existenzgründungen. Auch am Freitag verwies sie darauf, dass Berlin als digitale Gründerhauptstadt in Deutschland davon nur profitieren könne.

Im Inkubator von Immobilienscout24 sind bereits zehn Unternehmen gegründet worden. Am 12. November werden fünf weitere Teams neu aufgenommen. Diese bekommen zunächst für eine Probezeit von drei Monaten die Möglichkeit, ihre Ideen weiterzuentwickeln. Anschließend wird entschieden, ob sie im Inkubator weiter gefördert werden.

Potenzielle Konkurrenten umarmen

Über diese Schwelle sind die beiden Gründer des Start-ups Bauvermietung.de bereits hinaus. Felix Baer, 34, und Andreas Bauer, 26, wurden vor drei Wochen in den Inkubator aufgenommen. Seit einer Woche ist ihre Internetseite in Betrieb. Sie bieten einen Marktplatz für den Verleih von Baugeräten, wie Baggern oder Hebebühnen. Dieser Markt sei bisher sehr intransparent gewesen, sagt Baer, durch ihr Vergleichsportal könnten die Kunden nun 30 bis 50 Prozent sparen. Allerdings arbeite man in der Baubranche noch „sehr viel offline“, hat der Gründer festgestellt. Das treffe auch auf die Bekanntmachung ihrer Internetseite in der Branche zu: „Es läuft noch viel über Papier, Telefon und Fax“, sagt Baer und grinst.

Warum aber betreibt Immobilienscout24 überhaupt ein solches Versuchslabor? Schließlich sind unter den 600 Angestellten in Berlin 100 eigene Entwickler. Mittlerweile habe das Unternehmen eine Marktdurchdringung von 90 Prozent erreicht, sagt Geschäftsführer Marc Stilke. Mehr als zehn Millionen Menschen nutzten das Immobilienportal – pro Monat. Wenn man weiter wachsen wolle, müsse man neue Ideen haben. Dabei sei es wichtig, dass man auch Input von außen bekomme: „Wir wollen gute Ideen ans Haus binden.“ Schließlich könnten sich aus Start-ups auch potenzielle Konkurrenten entwickeln. Die Taktik benennt Stilke selber: „Umarmen, statt kannibalisiert werden.“


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