Wirtschaft : Juristen verstehen

Jost Müller-Neuhof

Die Welt der Juristen - wie fern erscheint sie oft. Unbekannt ihr Alltag, gefürchtet ihr Kauderwelsch. Am einen sind Gesetze schuld, am anderen auch sie selbst. Zwei Bücher könnten dem abhelfen: Die Gerichtszeichnungen von Erich Dittmann und eine kleine Sprachfibel von Michael Schmuck.

Dittmann pflegte bis zu seinem Tod 1999 eine rare Profession, der jedoch nach dem ablehnenden Urteil des Bundeverfassungsgerichts zu Kameras in Gerichtssälen Zukunft beschieden ist. Er porträtierte jahrzehntelang Beteiligte in berühmten deutschen Stafverfahren. Andreas Baader und Otto Schily, Monika Weimar und Günther Guillaume, Otto Graf Lambsdorff und Harry Tisch: Dittmann zeigte Angeklagte, Staatsanwälte und Richter. Bilder zur Zeitgeschichte der Bundesrepublik und aus der Alltagswelt der Justiz, wie sie nur in diesem Genre dokumentiert werden können.

Ein Vademecum für die Zunft mit den schwarzen Roben ist Schmucks "Deutsch für Juristen". Der Berliner Journalist und Rechtsanwalt nimmt in vielen Beispielen die verquaste Sprache seiner Kollegen auseinander, die - in Behörden, Kanzleien oder an Richtertischen - einen Angriff gegen die Zunge führen, wenn sie "nicht unwesentlich" sagen und "wesentlich" meinen oder jedes Verb zu einem Substantiv schockfrosten ("nach erfolgter Ablehnung durch ..."). Das Buch zeigt anschaulich, dass aufgeblähte juristische Texte auch allgemein verständlich sein könnten.

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