Wirtschaft : Kaffee: Die Geschichte der Bohne

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In Deutschland begann der Siegeszug des Kaffees mit einem Verbot. Friedrich der Große glaubte, an dem neuen Genussmittel verdienen zu können. Er erklärte den Import und das Rösten von Kaffee 1780 zum Monopol des Staates. Kaffee durfte nur noch in königlichen Röstereien gebrannt werden. So genannte Kaffeeschnüffler kontrollierten das Monopol. Doch bald fand sich Ersatz. Der Hotelier Christian Gottlieb Förster fand heraus, dass die zur Korbblütler-Gattung gehörende Pflanze Zichorie aus dem Mittelmeerraum so ähnlich wie Kaffee aussah und schmeckte. Nach dem Tod Friedrich des Großen wurde echter Bohnenkaffee dann um 1850 auch in Deutschland zum Volksgetränk. Es eröffneten viele Szene-Cafés, wie der "Alsterpavillon" in Hamburg, das "Café Reichard" in Köln und das "Café Bauer" in Berlin.

Im Orient gab es Mitte des 15. Jahrhunderts die ersten Kaffeetrinker. Der Kaffee gelangte um diese Zeit nach Arabien und Syrien, wo er anfangs als Medizin und Rauschmittel verwendet wurde. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts eroberte die Kaffeebohne dann über Mekka und Medina das arabische Großreich. Schon damals diskutierte man darüber, ob der Kaffee der Gesundheit schadet. Der Statthalter des ägyptischen Sultans ließ 1511 die Kaffeeschänken in Mekka einfach schließen - seine Nachforschungen hatten ergeben, dass es immer die Kaffeetrinker waren, die ihn verspotteten. Schließlich hob der Sultan von Ägypten zur Freude der Kaffeetrinker das Verbot jedoch auf.

Mitte des 16. Jahrhunderts eröffnete das erste Kaffeehaus in Konstantinopel. Die europäischen Kaufleute aus Venedig, Genua und Marseille holten die arabische Spezialität in ihre Städte. Schon 1580 kam der Kaffee nach Italien, 70 Jahre später tauchte er in England und Frankreich auf. Um 1700 gab es allein in der Londoner City über 3000 Kaffeehäuser. Kaffeebohnen kamen pfundweise in Paris, London und Amsterdam in den Handel. Sehr beliebt waren sie auch in anderen Formen - zum Beispiel zu Konfekt und Likören verarbeitet.

Das erste Kaffeehaus in Deutschland eröffnete 1673 in Bremen, 1677 gab es dann auch eines in Hamburg. 1905 erwarb Ludwig Roselius ein Patent für ein entkoffeiniertes Produkt, den "Kaffee HAG". 1938 bot Nestlé erstmals löslichen Kaffee an, damals auch als "Exakt"- oder "Instant"-Kaffee bekannt. In Deutschland wurde Kaffee nach dem Zweiten Weltkrieg zum Symbol für Wiederaufbau und Wirtschaftswunder. Kaffeetrinken hieß, sich etwas leisten zu können.

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