Wirtschaft : Kampf gegen Terrorismus: G 7-Finanzminister wollen Finanzierung des Terrors stoppen

Die Finanzminister der sieben führenden Industrieländer (G 7) wollen dem internationalen Terrorismus den Geldhahn zudrehen und stärker gegen Steueroasen vorgehen. Das verlautete am Freitag aus Berliner Regierungskreisen. Die Minister werden sich an diesem Samstag in Washington mit den Folgen der Anschläge vom 11. September auf die USA und den Perspektiven der wirtschaftlichen Entwicklung für die ohnehin labile Konjunktur befassen. In Berlin wird mit weiter verschlechterten Wachstumsprognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) gerechnet. Gemeinsame Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur ähnlich dem nun von den USA angekündigten Milliarden-Programm seien aber nicht geplant.

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Fotos: Die Ereignisse seit dem 11. September in Bildern Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte sich am Vortag reserviert zur staatlichen Konjunktur-Ankurbelung ausgesprochen, gemeinsame europäische Stützungsschritte für einen späteren Zeitpunkt grundsätzlich aber nicht mehr ausgeschlossen. Erst Ende September hatte der IWF seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft weiter nach unten korrigiert: und zwar auf 2,6 Prozent in diesem Jahr und 3,5 Prozent im nächsten. Für die Euro-Zone war der IWF - ohne die Auswirkungen der Terroranschläge - bei 1,8 Prozent Wachstum in diesem Jahr und 2,2 Prozent im nächsten gelandet, für Deutschland nur noch bei 0,8 Prozent 2001 und 1,8 Prozent 2002.

Für die weitere Entwicklung gerade in den USA komme es nun auf das Vertrauen der Märkte sowie das Verhalten der Konsumenten an, hieß es in den Berliner Regierungskreisen. Ein Druck auf die Europäer, mit den von den USA angekündigten 75 Milliarden Dollar (159 Milliarden Mark) gleichzuziehen, bestehe nicht. Europa habe Steuern und Zinsen gesenkt.

Als Folge der Anschläge in den USA wollen sich die Finanzminister nach deutschen Angaben jetzt mit verschiedenen Resolutionen der Vereinten Nationen (UNO) befassen. Darin geht es darum, Finanzströme aus dem terroristischen Umfeld und "gewaschenes" Schwarzgeld unverzüglich zu blockieren und die Mitwirkung unter Strafe zu stellen. In diesem Sinne werden in den Industrieländern bereits zahlreiche Konten gesperrt - nach amerikanischen Angaben bisher in einem Volumen von rund 100 Millionen Dollar, in Deutschland nach Berliner Angaben acht Millionen Mark auf 214 Konten.

IWF-Chef Klaus Köhler wird bei dem Treffen über die finanzielle Situation insbesondere der Entwicklungs- und Schwellenländer berichten. Diskutiert werde außerdem über Fortschritte im Rahmen der internationalen Finanz-Taskforce zur Abwehr ungeregelter weltweiter Finanzspekulationen sowie über den Stand der Bekämpfung des illegalen Offshore-Banking.

Die G-7-Tagung war in Folge der Terrorakte vom 11. September etwas verschoben worden. Sie findet traditionell zu Beginn der Jahrestagung von IWF und Weltbank statt, die jetzt wegen der Anschläge und der Gefahren ausfiel.

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