Wirtschaft : Kann der Konsum die deutsche Konjunktur retten?

BERLIN (Sch).Der private Konsum kann nach Ansicht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in diesem Jahr die Inlandsnachfrage stärken und damit die deutsche Konjunktur stützen.In seinem jüngsten Wochenbericht begründet das Berliner Institut seine Einschätzung mit dem größeren finanziellen Spielraum der privaten Haushalte durch die Erhöhung von Kindergeld und Grundfreibetrag.Die diesjährigen Tarifabschlüsse und das ruhige Preisklima würden zusätzlich zur Verbesserung der Kaufkraft beitragen.

Auch sei die Stimmung bei den Verbrauchern gut."Der Indikator des Verbrauchervertrauens lag zu Beginn dieses Jahres erstmals seit langer Zeit wieder im positiven Bereich", schreibt das DIW.Sowohl die eigene finanzielle Situation als auch die allgemeine Wirtschaftslage werde als günstig angesehen.Schon im vergangenen Jahr stiegen die Ausgaben für Konsumgüter nach Angaben des Instituts um knapp drei Prozent an, angesichts geringer Lohnsteigerungen eine Folge wachsender Gewinn- und Vermögenseinkommen.Diese hätten 1998 um rund 45 Mrd.DM zugelegt.Doch noch immer herrsche bei größeren Anschaffungen Zurückhaltung, und die Schwäche im Export schlage schon jetzt auf den Arbeitsmarkt durch, warnen die Berliner.

Die Stimmung im Einzelhandel sei denn auch gemischt.Das neue Jahr habe der Branche gleich einen Umsatzrückgang von 2,5 Prozent beschert, und auch im vergangenen Jahr konnte lediglich ein Plus von 0,5 Prozent erreicht werden.Einen erheblichen Nachfrageanstieg konnte das DIW 1998 aber in den Bereichen Unterhaltungselektronik (plus sechs Prozent Umsatz) und Pkws (plus fünf Prozent Neuanmeldungen) beobachten.

Mit Blick auf die konjunkturstützende Wirkung des privaten Verbrauchs hat das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) die Bundesregierung am Mittwoch eindringlich vor einer Erhöhung der Mehrwertsteuer gewarnt.Es wäre das verkehrte Signal, den privaten Konsum durch eine Steueranhebung zu belasten, sagte der Steuerexperte Winfried Fuest.Er verwies darauf, daß die Verbraucher bereits die Erhöhung der Energiepreise zum 1.April zu verkraften hätten.Zudem gebe es nach wie vor große Spielräume, um bei der Haushaltskonsolidierung weitere Fortschritte zu erzielen.Und auch im Bereich des Subventionsabbaus werde noch immer mehr geredet als gehandelt.

Dagegen hält das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) eine Erhöhung der Mehrwertsteuer zur Gegenfinanzierung der geplanten Unternehmensteuerreform grundsätzlich für sinnvoll.Verschenkt wäre eine Anhebung jedoch, wenn sie lediglich dazu dienen sollte, Haushaltslöcher zu stopfen, die durch die Umsetzung des Karlsruher Familienurteils zu erwartenden seien, sagte Konjunkturexperte Udo Ludwig.

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