Kapitalerhöhung : Deutsche Bank sammelt Geld ein

Der Marktführer plant offenbar die größte Kapitalerhöhung seiner Geschichte – um für die strengere Regulierung gewappnet zu sein.

von
Gibt sich nicht mit Peanuts zufrieden: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann.
Gibt sich nicht mit Peanuts zufrieden: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann.Foto: dapd

Frankfurt am Main - Die Deutsche Bank reagiert mit der größten Kapitalerhöhung ihrer Geschichte auf die schärfere staatliche Regulierung. Medienberichten und Branchenbeobachtern zufolge will sich die größte deutsche Bank bis zu neun Milliarden Euro am Kapitalmarkt besorgen. Die Kapitalerhöhung – also die Ausgabe neuer Aktien – soll unter anderem auch der Mehrheitsübernahme der Postbank dienen, deren dünne Eigenkapitaldecke die Deutsche Bank stärken muss. Angeblich lässt Vorstandschef Josef Ackermann derzeit die Maßnahme im Volumen von bis zu neun Milliarden Euro prüfen, die schon Anfang nächster Woche offiziell werden soll. Ein Sprecher der Bank lehnte eine Stellungnahme am Freitag ab. Heftig fiel hingegen die Reaktion der Börse aus: die Aktie verlor zeitweise bis zu sechs Prozent.

Peilt die Bank tatsächlich die Aufnahme von bis zu neun Milliarden Euro an, wäre dies ihre größte Transaktion seit Jahren. Daten von Thomson Reuters zufolge wäre es zugleich die zweitgrößte Transaktion in Deutschland nach dem Börsengang der Deutschen Telekom vor gut zehn Jahren. Zuletzt hatte die Deutsche Bank im September 2008 rund 2,2 Milliarden Euro eingesammelt. Im März 2009 hatte sich die Post durch eine Sacheinlage am Kapital der Bank beteiligt, seitdem ist sie mit gut acht Prozent größter Aktionär der Deutschen Bank. Ackermann hatte danach betont, dass die Bank ausreichend mit Kapital ausgestattet sei. Kapitalerhöhungen seien nach seinen Worten nur im Blick auf mögliche Übernahmen vorstellbar.

Aktuell verfügt die Bank über eine Kernkapitalquote von gut elf Prozent gemessen an ihren mit Risiken belegten Aktiva – und damit über deutlich mehr als die gesetzlich vorgeschriebenen vier Prozent. Absolut gesehen sind es gut 34 Milliarden Euro. Allerdings dürfte sich die gesetzliche Quote durch die neuen Eigenkapitalregeln, die am Wochenende vom Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht festgezurrt werden sollen, auf rund acht Prozent verdoppeln. Diese Regeln werden aber voraussichtlich erst 2013 und gestreckt über fünf bis zehn Jahre eingeführt.

„Die Deutsche Bank wird abwarten, was am Wochenende beschlossen wird, und dann den Markt als Erste anzapfen“, sagte ein hochrangiger Investmentbanker. Der Erste habe immer einen Wettbewerbsvorteil. Unicredit, BNP Paribas oder Société Générale könnten ihr folgen. Die Commerzbank hofft eigentlich auch, noch in diesem Jahr bis zu fünf Milliarden Euro einsammeln zu können, um ein Zeichen zu setzen, dass sie die gut 18 Milliarden Euro schwere Staatshilfe zurückzahlen kann. Insgesamt braucht sie nach Schätzungen von Barclays sogar zehn Milliarden Euro frisches Kapital, um auf eine nach Basel III ausreichend harte Kernkapitalquote von sechs Prozent zu kommen.

Für die Sicherung der Mehrheit an der Postbank und angesichts der neuen Eigenkapitalregeln wäre die Deutsche Bank derzeit nicht auf eine Kapitalerhöhung angewiesen, sagte Bankenanalyst Dieter Hein von Fairesearch am Freitag. „Die Übernahme der Postbank könnte sie auch so stemmen.“ Allerdings mache es durchaus Sinn, sich frühzeitig auf die neuen Eigenkapitalvorschriften einzustellen, sagte Hein. Schließlich werde der Kapitalbedarf der deutschen Institute und damit der Druck auf den Kapitalmarkt in den kommenden Jahren immens. Nach Schätzungen des Bankenverbandes brauchen die deutschen Geldhäuser insgesamt rund 100 Milliarden Euro an frischem Geld, um die künftigen Auflagen erfüllen zu können. Die Deutsche Bank sollte allerdings, betont Hein, schnell für Klarheit sorgen, sonst könne der Aktienkurs weiter leiden.

Postbank-Chef Stefan Jütte hatte am Donnerstag auf einem Bankenkongress in Frankfurt betont, er habe keine neuen Signale von der Deutschen Bank, wie sie mit der Postbank weiter verfahre. Die Deutsche Bank sei aber der „wahrscheinlichste Übernehmer“.

Die Deutsche Bank war im September 2008, kurz nachdem die Commerzbank die Übernahme der Dresdner Bank verkündet hatte, bei der Postbank mit ihren 14 Millionen Kunden eingestiegen – mit der Option, später die Mehrheit zu übernehmen. Sie will damit vor allem ihre Kunden- und Einlagenbasis stärken. Aktuell hält die Deutsche Bank 29,88 Prozent der Postbank-Anteile. Dafür hat sie der Post bis Februar 2009 insgesamt rund 4,9 Milliarden Euro bezahlt. Seitdem freilich ist der Börsenwert der Postbank deutlich gesunken, auf aktuell rund 5,7 Milliarden Euro. Größter Anteilseigner ist bislang weiter die Post mit 39,50 Prozent. (mit rtr)

Autor

4 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben