Kapitalismus : Immer wieder Krisen

Der Kapitalismus neigt zu Turbulenzen.

Berlin - Seit der Manie um türkische Tulpen der Ostindischen Compagnie im 17. Jahrhundert zählen Historiker 40 Finanz- und Börsenkrisen. Jedem Sturz geht allerdings eine Phase voraus, in der Anleger glauben, die üblichen Gesetze des Finanzmarktes seien außer Kraft gesetzt. Die Lehman-Krise beendete die Explosion der Immobilienpreise, vor allem in den USA. Mit billigem Geld und Hilfe vom Staat hatten viele Bürger ein Haus gekauft – auch solche, die es sich nicht leisten konnten. Als immer mehr ihre Kredite nicht zurückzahlen konnten, ging der Boom zu Ende – und mit ihm der Glaube, mit verbrieften Krediten ließe sich auf ewig Gewinn machen.

Gründerzeit: Nach Verabschiedung eines liberalen Aktiengesetzes im Deutschen Reich von 1870 bricht eine Flut von Neuemissionen über die Börsen herein. Jedermann träumt vom schnellen Reichtum. Als etliche Anleger ihre Nachzahlungen für Kredite nicht mehr leisten können, platzt die Blase. Die Kurse verlieren durchschnittlich gut 60 Prozent an Wert.

Große Depression: Jungunternehmer rufen in den zwanziger Jahren eine „neue Ära“ aus. Keimzelle für den anschließenden Aktienboom sind die niedrige Inflation, eine hohe Industrieproduktion und ein grenzenloser Fortschrittsglaube. Das Rezept für schnellen Reichtum: Kredit aufnehmen, Aktien kaufen, Gewinne kassieren und der Bank das Geld zurückbezahlen. Die Blase platzt, als sich zu wenig neue Käufer finden und Banken die Zinsen erhöhen. Daraufhin müssen verzweifelte Anleger Aktien verkaufen, um die Kredite zu bedienen. Die ohnehin angeschlagene Weltwirtschaft stürzt ab. Bis 1932 verliert der Dow Jones 86 Prozent.

Dotcom-Crash: Eine Euphorie um Technologie-Aktien erfasst Ende der neunziger Jahre die Welt. Wieder sprechen Anleger, Medien und Analysten von einer „neuen Ära“ – Unternehmensdaten interessieren nicht. Steigende Zinsen, enttäuschende Firmenausblicke und fehlende Käufe lassen die Kurse ab März 2000 bröckeln. Trübe Konjunkturaussichten, die Anschläge am 11. September 2001, Bilanzfälschungen und Kriegsängste lassen den Dax anschließend binnen drei Jahren um 75 Prozent abstürzen. HB/Tsp

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