Wirtschaft : Kapitalmärkte an die Kandarre

PARIS (ebo).Der französische Premierminister Lionel Jospin hat sich für eine Neuordnung der Weltwirtschaft ausgesprochen.Angesichts der Asienkrise und der Turbulenzen auf den Finanzmärkten sei eine politische "Regulierung" überfällig, schreibt Jospin im "Nouvel Observateur".Dies müßten selbst "Schmeichler des Liberalismus" und Anhänger einer "Globalisierung ohne Grenzen" erkennen.Konkret spricht sich Jospin für eine Kontrolle der Kapitalmärkte sowie für ein neues Weltwährungssystem aus.Es gehe darum, die "Exzesse" der Globalisierung in den Griff zu bekommen, so der Sozialist.Die Kapitalbewegungen müßten transparenter werden und der Realwirtschaft zugute kommen.Eine entsprechende Kontrolle könne vom Internationalen Währungsfonds (IWF) wahrgenommen werden.Der IWF müsse zuvor allerdings mit mehr Eigenmitteln ausgestattet werden.Außerdem müsse er seine demokratische Legitimität erhöhen.Unter dieser Voraussetzung könne sich der IWF mittelfristig zu einer Art "politischer Regierung" entwickeln, glaubt Jospin.

Bei der Neuordnung des Weltwährungssystems spricht sich Jospin gegen die Wiedereinführung fester Wechselkurse aus.Das 1945 eingeführte sogenannte Bretton-Woods-System sei nicht flexibel genug, um der Globalisierung der Finanzmärkte standzuhalten.Sinnvoller sei es, sich am Europäischen Währungssystem (EWS) mit flexiblen, aber durch Bandbreiten fixierten Wechselkursen zu orientieren.Das Ziel müsse es sein, stabile regionale Wirtschaftsräume zu schaffen, etwa nach dem Beispiel der Europäischen Wirtschaftsunion.

Der Anstoß zu einer solchen Neuordnung der Weltwirtschaft soll denn auch von Europa ausgehen.Das künftige "Euroland" habe nicht nur die Feuerprobe der Asienkrise überstanden, so Jospin.Europa sei auch politisch zu einer solchen Initiative fähig, da es mehrheitlich von sozialistischen und sozialdemokratischen Parteien regiert werde.Allerdings müßten die Regierungen nun auch ihren politischen Willen beweisen, schließt der Premier.

Unterdessen wurde bekannt, daß sich die französischen Großbanken gegen die Unwägbarkeiten der Finanzkrisen in Rußland und Asien mit Rückstellungen in Milliardenhöhe gewappnet haben.Die französische Finanzgruppe Paribas gab am Donnerstag die Aufstockung ihrer Rückstellungen um zwei Mrd.auf 4,2 Mrd.Franc (1,25 Mrd.DM) bekannt.Bei der Société Générale verteilt sich die Risikovorsorge mit 3,5 Mrd.Franc (1,04 Mrd.DM) auf Asien, wo nun 19,4 Prozent des Geschäftes gedeckt sind, sowie 2,5 Mrd.Franc (750 Mill.DM) auf Rußland.Die Banque Nationale de Paris sah keine Notwendigkeit einer zusätzlichen Absicherung des Rußlandgeschäftes, stockte aber die Rückstellungen für die Asienregion um 1,9 Mrd.auf 4,9 Mrd.Franc (1,46 Mrd.DM) auf.

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