Kapitalmarkt : GM auf dem Weg an die Börse

Der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) hat sich von der schweren Autokrise erholt und ist auf dem Weg an die Börse, die er im Zuge seiner Insolvenz 2009 verlassen musste.

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Rückenwind? General Motors hat sich von der Krise erholt und verkauft in den USA und China mehr Autos. In Europa müssen hingegen Opel und Vauxhall noch saniert werden. Im Bild: der weltgrößte Windkanal auf dem GM-Gelände im US-Staat Michigan.
Rückenwind? General Motors hat sich von der Krise erholt und verkauft in den USA und China mehr Autos. In Europa müssen hingegen...Foto: AFP

Berlin - Der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) muss seine Mitarbeiter entschädigen, wenn er Zusagen für Investitionen und Arbeitsplätze nicht einhält. Die in harten Verhandlungen erzielte Einigung mit den europäischen Belegschaften ist nun auch bei der US-Börsenaufsicht SEC schriftlich hinterlegt, wie aus Unterlagen für die Behörde hervorgeht.

Opel hatte sich im Mai grundsätzlich mit dem Betriebsrat und der IG Metall auf ein Sanierungspaket geeinigt. Darin sagen die Belegschaften der europäischen Werke Einkommenseinbußen von jährlich 265 Millionen Euro zu, die bis 2014 auf einem Treuhandkonto gesammelt werden – insgesamt also gut eine Milliarde Euro. Im Gegenzug hat GM Investitionen in neue Modelle zugesagt. Das angesparte Geld wird erst freigegeben, wenn die Opel- Mutter diese Investitionen auch tatsächlich tätigt.

Die nun bei der SEC eingereichten Unterlagen sind laut „Wall Street Journal“ Teil des jüngsten Quartalsberichts, in dem GM einen Gewinn von 1,3 Milliarden Dollar ausweist. Der Hersteller hat sich von der schweren Autokrise erholt und ist auf dem Weg an die Börse, die er im Zuge seiner Insolvenz 2009 verlassen musste. Mit Einnahmen von bis zu 20 Milliarden Dollar könnte die Emission zu einer der größten aller Zeiten werden. Die Unterlagen für den Börsengang sind dem Vernehmen nach bereits fertiggestellt.

Ein Meilenstein auf dem Weg an den Kapitalmarkt ist die Sanierung des Europageschäfts von Opel und Vauxhall, das im ersten Halbjahr 637 Millionen Euro Verlust anhäufte. „Klar ist: Auch nach einem Börsengang muss Opel möglichst schnell schwarze Zahlen schreiben“, sagte Autoanalyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler.

Beim Abbau von rund 8000 Stellen – weniger als die Hälfte davon in Deutschland – setzt Opel auf sozialverträgliche Lösungen, wie ein Sprecher betonte. An allen vier deutschen Standorten gilt für die Höhe der Abfindungen die Formel: Lebensalter mal Betriebszugehörigkeit in Jahren mal Monatsgehalt geteilt durch 35. Ein 50-jähriger Opel-Beschäftigter in der Produktion, der seit 24 Jahren bei dem Autohersteller arbeitet und auf einen Arbeitslohn von monatlich rund 3 000 Euro kommt, bekäme danach eine Abfindung von rund 100 000 Euro. Angesprochen würden nur Beschäftigte, die nicht älter als 55 Jahre seien, fügte der Sprecher hinzu. Abfindungen seien auf maximal 250 000 Euro begrenzt.

Opel kämpft derzeit mit Überkapazitäten und will deshalb zum Beispiel in Bochum bis Ende kommenden Jahres 1 800 von rund 5 000 Stellen abbauen. Über die Höhe des Stellenabbaus an den Standorten Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach wird noch verhandelt. Von September an werden Transfergesellschaften eingerichtet, in denen Opel-Mitarbeiter für andere Tätigkeiten umgeschult werden sollen. „Opel stockt ein Jahr lang die Bezüge dieser Mitarbeiter auf, damit 80 Prozent des letzten Nettolohns oder -gehalts erreicht werden“, sagte der Opel-Sprecher. 650 Mitarbeiter könnten schon in diesem Jahr in Bochum ausscheiden.

Der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel kritisierte das Abfindungsangebot. „Wir hätten uns deutlich mehr gewünscht“, sagte er der „WAZ“. In früheren Jahren habe es höhere Abfindungen gegeben. Diesmal sei die Formel nicht mit dem Betriebsrat ausgehandelt worden.

Noch in dieser Woche wird der Aufsichtsrat den Startschuss für die neue Opel-Aktiengesellschaft geben. „Wir werden bereits in den nächsten Tagen den Grundsatzbeschluss für eine Umwandlung der Adam Opel GmbH in eine AG fällen“, sagte der Konzernbetriebsratschef und stellvertretende Opel-Aufsichtsratschef Klaus Franz dem „Handelsblatt“. Management und Betriebsrat hatten sich vertraglich darauf geeinigt, dass Opel wieder eine deutsche Aktiengesellschaft wird. Opel-Chef Nick Reilly erfüllte damit eine der Forderungen der Arbeitnehmer im Gegenzug für deren Lohnzugeständnisse. „Die neue Gesellschaftsform wird die Mitsprachemöglichkeiten der Arbeitnehmer deutlich erweitern und die Eigenständigkeit des Opel-Managements, insbesondere in Produktfragen gegenüber der Konzernmutter in Detroit erhöhen“, betonte Franz. mit hz (HB), ro

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