KARRIERE Frage : an Jürgen Hesse < i>Büro für Berufsstrategie

Gibt es für Väter Einstiegshilfen?

an Jürgen Hesse

Ich bin Grafikdesigner und habe zwei Jahre pausiert, um mich um meinen Sohn zu kümmern. Nun möchte ich wieder arbeiten, was bei meiner früheren Firma aber nicht möglich ist. Für Frauen gibt es viele Programme zum Wiedereinstieg. Für Männer leider nicht, oder? Was raten Sie mir?

Im Grunde rate ich Ihnen das gleiche, was ich auch Frauen in dieser Lage raten würde: Gehen Sie selbstbewusst ins Rennen um einen neuen Job. Sie müssen sich nicht verstecken, weil Sie sich für einige Zeit um die Familie gekümmert haben.

Auch wenn die Wiedereinstiegsangebote für Frauen weit bekannter sind – es gibt inzwischen auch Beratungseinrichtungen für Männer. Ein Beispiel dafür ist das Väterzentrum Berlin. Auch viele Arbeitsagenturen bieten Vätern in dieser Phase einen spezielle Informations- und Beratungsservice. Dort kommen Fragen zum Thema Qualifizierungsmöglichkeiten, flexible Arbeitszeitgestaltung und finanzielle Förderung zur Sprache. So viel zur Hilfe von außen.

Und auch Sie selbst können einiges für sich tun. So sollten Sie sich etwa wegen Ihrer Lage nicht in Rechtfertigungen verstricken. Im Gegenteil. Überlegen Sie, was Sie in der Vaterzeit gelernt haben und üben Sie, diese Fähigkeiten angemessen zu vermitteln. Wer die Tagespläne von mehreren Personen koordiniert, die Besorgungen macht und den Haushalt erledigt, übt sich in der Kunst der Organisation und Motivation. Durch Ihre Familienarbeit hat ihr Kompetenzspektrum zugenommen. Sie haben mindestens Ihre Sozialkompetenz gestärkt – die jede Firma zu schätzen wissen sollte.

Viele Mütter und Väter sind nach der Pause mit dem Vorurteil konfrontiert, sie hätten den Anschluss verpasst und würden nicht mehr über die nötige fachliche Qualifikation verfügen. Um dem entgegenzuwirken, sollten Sie noch in der Elternzeit den Kontakt zur Firma oder zumindest zur Branche halten – vielleicht auch einmal eine Urlaubsvertretung oder einen kleinen Auftrag annehmen. Auch eine Weiterbildung bietet sich an. Sie bringt Sie auf den neuesten Stand und belegt, dass Sie sich engagieren.

In jedem Fall sollte der Wiedereinstieg früh, schon vor der Arbeitspause, geplant werden. Auch wenn man dann noch keine festen Zusagen machen kann, sollte man mit dem Chef besprechen, wie es danach weiter gehen soll. Zum Ende der Auszeit wird dann nachjustiert. Da Sie den Betrieb wechseln, müssen Sie nun mit dem neuen Chef aushandeln, ob Sie wieder voll einsteigen und ob sich flexiblere Arbeitszeiten vereinbaren lassen.

Bei der Bewerbung gilt es, selbstbewusst die Stärken zu präsentieren. Denn Selbstmarketing ist auch beim Wiedereinstieg ein entscheidender Faktor.Foto: Promo

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