Karriere : Als Rentner im Hörsaal

Ein Seniorenstudium bildet weiter und hält geistig fit

Dania Ringeisen (ddp)
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Zu vorlaut. Zwischen Jung und Alt gibt es im Uni-Alltag manche Konflikte. Foto: ddpddp

Ein deutsches Sprichwort besagt, dass das Alter zwar weiß mache, aber nicht immer weise. Scheinbar diesem Zitat zum Trotz streben vermehrt Senioren nach Weiterbildung im hohen Alter. Jenseits ihres erlernten Berufes setzen sie sich mit Goethes Faust, dem Dreißigjährigen Krieg oder Fächern wie International Business auseinander. „Senioren können wie ihre jüngeren Kommilitonen einen Abschluss erwerben oder sich als Gasthörer an der Hochschule weiterbilden“, sagt Silvia Dabo-Cruz von der Universität des 3. Lebensalters in Frankfurt am Main.

Mehr als 50 deutsche Hochschulen bieten derzeit verschiedene Formen des Studiums für Senioren an. „Bei einem abschlussorientiertem Studium ist in der Regel das Abitur die Zugangsvoraussetzung“, erläutert die Autorin des Buches „Begegnung der Generationen: Alt und Jung im Studium“. Wer sich lediglich in einzelnen Studiengebieten weiterbilden wolle und keinen Abschluss anstrebe, könne sich als Gasthörer an einer Hochschule einschreiben. Prüfungen gebe es dann keine und auch das Abitur müsse in der Regel nicht nachgewiesen werden.

„Einige Universitäten haben aber auch als dritte Möglichkeit ihre Veranstaltungen in den vergangenen Jahren verstärkt auf Seniorenstudenten abgestimmt und bieten für diese Gruppe spezielle Vorlesungen und Seminare an“, erläutert Dabo-Cruz. Passend zu den eigenen Interessen könnten dann Veranstaltungen ausgewählt werden, wobei zulassungsbeschränkte Fächer wie Medizin oder auch spezielle Seminare ausgenommen seien.

Über das Studienangebot können sich Senioren direkt an der jeweiligen Universität informieren. „Die Studienberatung der Hochschulen kann in solchen Fällen weiterhelfen“, sagt Felizitas Sagebiel von der Bundesarbeitsgemeinschaft Wissenschaftliche Weiterbildung für Ältere in Wuppertal. Ebenso gebe es aber auch an den meisten Universitäten spezielle Anlaufstellen für Seniorenstudenten.

Unbedingt beachten sollte man, dass in einigen Bundesländern für das reguläre Studium Gebühren anfallen. Auch für Gasthörer und Seniorenstudenten ist das Studium in der Regel kostenpflichtig, wobei die Höhe von Universität zu Universität variiert. „Die meisten Hochschulen verlangen von Seniorenstudenten Semestergebühren um die 100 Euro“, erläutert Sagebiel. Es gebe aber auch Universitäten, die einen Grundbetrag und zusätzlich für einzelne Kurse Gebühren erheben. Bei einem Nachweis von Bedürftigkeit könnten die Kosten jedoch teilweise oder sogar ganz erlassen werden.

An eine bestimmte Altersgrenze ist das Seniorenstudium nicht gebunden. „Die Jüngsten, die sich dafür interessieren, sind zwischen 40 und 50 Jahre alt, die Ältesten bereits in ihren 90ern“, erklärt Dabo-Cruz. Die meisten Gleichaltrigen können Senioren im Alter zwischen 60 und 70 Jahren in den Hörsälen antreffen. „Nach dem Ende der Berufstätigkeit suchen viele nach Möglichkeiten, in der Jugend verwehrte Bildungschancen jetzt wahrzunehmen, ihre freie Zeit sinnvoll zu nutzen und Gleichgesinnte zu treffen“, erläutert Sagebiel die hohe Teilnehmerzahl in dieser Altersgruppe.

Im Uni-Alltag ist das Miteinander von Jung und Alt nicht immer einfach: Von Empörungen wie „die nehmen uns die Plätze weg“ oder „die ständigen Besserwissereien nerven“ ist manchmal bei den jungen Studenten die Rede. „Ältere sollten darauf achten, dass auch die Jüngeren zum Zug kommen“, betont Dabo-Cruz. Denn schließlich müssten sie Prüfungen ablegen. „Als Gasthörer gilt es, sensibel mit jüngeren Kommilitonen umzugehen und sich zurückzuhalten“, so Sagebiel.

Dennoch ist das Seniorenstudium auch eine Chance – für Jung wie für Alt. „Sie können voneinander und übereinander lernen. So können das Wissen und die Lebens- sowie Berufserfahrung der Älteren die Seminare bereichern“, erläutert Dabo-Cruz. In Fächern wie Gerontologie, Pädagogik oder Soziologie könnten Studenten sogar durch die Erfahrung mit Senioren für ihren späteren Beruf sensibilisiert werden, indem sie in persönlichen Gesprächen mehr über diese Altersgruppe sowie deren Bedürfnisse und Probleme lernen. „Umgekehrt profitieren Senioren vom fachspezifischen Wissen und methodischen Können der jüngeren Studenten“, fügt die Expertin hinzu.

Dania Ringeisen (ddp)

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