Karriere : Besser essen

Diätassistenten beraten Kranke, Schulen oder auch Marathonläufer. Die Ausbildung ist anspruchsvoll und vielseitig

Für Karina Pfadenhauer war ihr Weg klar vorgezeichnet. Sie kocht gerne, sie isst gerne, sie interessiert sich für Nahrungsmittel, sie hat gerne viel Verantwortung – und vor allem möchte sie mit ihrer Arbeit Menschen helfen, denen es nicht so gut geht. Also hat die 28-Jährige eine Ausbildung zur staatlich geprüften Diätassistentin gemacht und vor knapp fünf Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Heute betreut sie Menschen mit krankheitsbedingten Ernährungsproblemen, aber auch Sportler, Kinder oder andere, die sich einfach gesünder und bewusster ernähren möchten.

„Der Beruf ist unglaublich vielseitig und spannend, man kann in den verschiedensten Bereichen arbeiten und lernt jeden Tag viel dazu.“ Mal arbeitet sie mit Kardiologen zusammen, mal mit Kindergärten und Schulen, teilweise berät sie Läufer, die sich auf einen Marathon vorbereiten möchten. Auch ein Einkaufstraining mit Patienten gehört zu ihrem Angebot. „Wir gehen dann gemeinsam in den Supermarkt und legen fest, was gut für den einzelnen ist und was nicht“, erzählt die Fachfrau.

Viele Patienten müssten erst noch lernen, dass eine Diätassistentin nicht nur dazu da ist, ihnen etwas zu verbieten, sondern im Gegenteil viele Nahrungsmittel empfehlen und wichtige Tipps geben kann, wie sich das Bewusstsein für den eigenen Körper erweitern lässt. „Leider schrecken viele schon zurück, wenn sie das Wörtchen Diät hören und lassen sich dann nur ungern auf meine Beratung ein.“ Zudem halte sich hartnäckig das Vorurteil, dass sie in ihrem Job doch nur an irgendeinem Krankenhaus-Herd steht.

Ein Ruf, mit dem viele von Pfadenhauers Kolleginnen zu kämpfen haben und der auch Marcel Reinhard nur allzu gut bekannt ist: „Diätassistenten werden leider oft auf die Küche reduziert“, sagt der Geschäftsführer des Verbandes der Diätassistenten (VDD) in Essen. Dass die dreijährige Ausbildung aber alles andere als banal, der Beruf selbst sehr anspruchsvoll ist und es vielseitige Einsatzmöglichkeiten gibt, wüssten nur wenige. „Auch wenn der Beruf das Wort Assistent beinhaltet, geht es hier sehr wohl um eigenverantwortliches Arbeiten“, betont Reinhard. Die Diätassistenten hätten – obwohl sie in Krankheitsfällen auf Zuweisung und Anordnung des Arztes handelten – hohe Kompetenz und großes Fachwissen.

Entsprechend umfassend ist auch die Ausbildung. Sie ist in 3050 Stunden theoretischen und praktischen Unterricht sowie 1400 Stunden praktische Ausbildung gegliedert und enthält 19 verschiedene Themenkomplexe. Dazu gehören neben der Krankenhaus-Betriebslehre, Hygiene und Toxikologie etwa auch die Themen Biochemie der Ernährung, Diätetik, Anatomie sowie Physiologie. Vor allem wegen der beiden letztgenannten ist für einen Ausbildungsaspiranten mindestens ein Realschulabschluss von Vorteil. Ein Hauptschulanschluss reicht theoretisch, Bedingung ist dann aber eine abgeschlossene Berufsausbildung.

Rund 60 Schulen gibt es bundesweit, die pro Jahr rund 1000 – meist weibliche – Schüler zum Diätassistenten ausbilden. Eine davon ist die Diätschule an der Uniklinik Gießen/Marburg. Dort werden an beiden Standorten jährlich etwa 30 Schüler ausgebildet. Mangel an Bewerbern herrscht dort jedenfalls keiner – im Gegenteil: „Wir haben alle unsere Plätze vergeben und führen sogar Wartelisten“, berichtet die Schulleiterin Gabriele Kortboyer. Bestandteil der Ausbildung in Gießen sind auch Seminare zu den Themen Tod und Trauer – immerhin haben die Diätassistenten später häufig mit teilweise sehr kranken Patienten zu tun. Eine einzige Schülerin habe aus diesem Grund ihre Ausbildung abgebrochen, erzählt Gabriele Kortboyer. Der Umgang mit den Schwerstkranken habe sie zu sehr belastet. Wer die Ausbildung erfolgreich abschließt, hat nach Kortboyers Ansicht gute Berufsaussichten. „Mit guten Noten und einer gewissen Flexibilität hat man nach spätestens einem halben Jahr einen Job in der Tasche.“ dpa

www.vdd.de

www.charite.de

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