Coach : Nachhilfe für den Chef

Wer Manager coachen will, sollte sich weiterbilden. Die Anforderungen an die Berater sind hoch.

Selina Byfield

Nach dem BWL-Studium an der Berufsakademie und sechseinhalb Jahren in einer großen internationalen Unternehmensberatung hatte Sandra Schütze genug. „Ich wollte meine Erfahrung weiterhin einsetzen, aber mehr mit Menschen arbeiten“, sagt die 31-Jährige. „Im Gespräch mit Freunden und Kollegen kam ich dann auf die Idee, eine Weiterbildung zum Coach zu absolvieren.“ Mit ihrem neuen Wissen im Gepäck, will sie sich nun selbstständig machen. Wenn es gut läuft, wird sie zukünftig nicht mehr nur unternehmerische Prozesse analysieren, sondern Managern und anderen Führungskräften bei schwierigen Entscheidungen beistehen.

Die individuelle Unterstützung unterscheide die Arbeit des Coaches in der Theorie von der Herangehensweise eines Trainers oder Beraters, sagt Christopher Rauen, Vorsitzender des Deutschen Bundesverbandes Coaching (DBVC). Ein gutes Beispiel, um die Arbeit eines Coaches zu erklären, sei das Verkaufsgespräch: „Ein Trainer würde dem Klienten ein idealtypisches Ablaufmuster beibringen, ein Berater würde als Experte Ratschläge erteilen“, zählt Rauen auf. „Ein Coach dagegen würde seinen Klienten eher fragen: Erinnern Sie sich an eine Situation, in der Sie selbst besonders gut beraten worden sind?“

Die Zauberworte des Coachings heißen „Selbstreflexion“ und „Selbstwahrnehmung“. Gibt es etwa Konflikte mit Kollegen, hilft der Coach als neutraler Gesprächspartner, eigene Stärken und Schwächen zu erkennen. Nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ entwickelt der Klient eigene Lösungen. Im Mittelpunkt des Coachings steht die berufliche Situation, Privates wird auch berücksichtigt.

Eine wachsende Nachfrage und Honorare von 200 bis 600 Euro pro Sitzung klingen für Interessenten am Weiterbildungsberuf verlockend. Doch da die Berufsbezeichnung nicht geschützt ist, tummeln sich Astro- und Glückscoachs ebenso auf dem Markt wie sektenähnliche Psychotrainer, die mit pseudowissenschaftlichen Techniken werben. Valentin Nowotny, Vorstand des Deutschen Verbandes für Coaching und Training (DVCT), hat jedoch eine klare Vorstellung davon, welche Voraussetzungen ein angehender Coach mitbringen muss: „Er sollte mindestens dreißig Jahre alt sein sowie einen Hochschulabschluss und eine profunde Berufserfahrung in einem relevanten Bereich haben.“ Auch Coaching-Experte Christopher Rauen stellt hohe Ansprüche: „Viele Coachs haben langjährige Führungserfahrung in unterschiedlichen Branchen. Das macht auch Sinn, denn man braucht neben psychologischem Wissen auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse, um diesen Job zu machen.“

Diese Anforderung stellen seriöse Anbieter von Coaching-Weiterbildungen auch an ihre Teilnehmer. „Ein arbeitsloser Germanist sollte nicht glauben, er könnte nach einer Coaching-Ausbildung von diesem Beruf leben. Ihm fehlt einfach der Anschluss an das Umfeld, in dem er potenzielle Klienten finden könnte“, sagt Rauen. Wer glaubt, für den Job geeignet zu sein, muss sich erstmal einen Überblick verschaffen: Allein im deutschsprachigen Raum gibt es rund 300 Anbieter von Coaching-Ausbildungen. Einheitliche Qualitätsstandards gibt es nicht, Verbände und Ausbilder vergeben eigene Zertifikate.

Einen ersten Überblick über die Angebote können sich Interessenten auf den Internetseiten vom Deutschen Bundesverband Coaching (DBVC) oder dem Deutschen Verband für Coaching und Training (DVCT) verschaffen. Auch unter www.coaching-index.de können Interessenten Fortbildungskurse finden. Unternehmensberaterin Sandra Schütze hat ihre Ausbildung bei Artop, einem Weiterbildungsinstitut der Humboldt-Universität, gemacht. Überzeugt habe sie vor allem, dass man in den zehn Ausbildungsmonaten mit vielen verschiedenen Dozenten zusammenarbeitet, eine Vielzahl an Coaching-Methoden erlernt und eine fundierte theoretische Basis vermittelt bekommt. „Ein Nachteil war, dass der Ablauf nicht sehr stringent war. Außerdem mussten wir uns oft auf neue Dozenten einstellen“, sagt Schütze. Obwohl das Mindestalter für die Teilnahme bei Artop eigentlich bei 35 Jahren liegt, hat man für Sandra Schütze eine Ausnahme gemacht – wegen ihrer langjährigen Erfahrung als Beraterin.

Preiswert ist die Weiterbildung zum Coach jedoch nicht: Rund 7500 Euro kostet die Teilnahme am Lehrgang. Ähnlich teuer ist die Fortbildung beim Coaching Center Berlin: Für 210 Unterrichtsstunden zahlt man hier 7850 Euro. Neben eigenen Coaching-Dienstleistungen bietet das Unternehmen seit 2004 auch eine elfmonatige Basisausbildung an: Ausgebildete Coachs können hier einzelne Fortbildungsmodule buchen, um sich auf die Arbeit mit Topmanagern zu spezialisieren.

Denn selbst in der obersten Führungsetage gilt es nicht mehr als Zeichen der Schwäche, bei schwer wiegenden beruflichen Krisen Hilfe in Anspruch zu nehmen. Einer Studie der Beratungsgesellschaft Kienbaum zufolge lassen sich bereits 86 Prozent aller Topmanager coachen. Bei den Projektleitern seien es immerhin 39 Prozent. Rauen erklärt die steigende Nachfrage unter anderem mit den gestiegenen beruflichen Belastungen der Manager: „Die Rahmenbedingungen der Wirtschaft haben sich in den letzten 15 Jahren stark verändert.“ Durch die Globalisierung habe sich der Wettbewerb enorm verschärft, gleichzeitig könne sich niemand mehr darauf verlassen, seinen Job länger als zwei oder drei Jahre zu behalten. „Diesen Druck spürt man auch in den Führungsetagen der Unternehmen.“

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