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2000 neue Stellen werden in den kommenden vier Jahren in den Berliner Kitas eingerichtet Wie man sich für den Job fit macht

Rita Nikolow
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Kein Kinderspiel. Von Erziehern wird heute einiges verlangt. Foto: Uwe Steinert

Eine so hohe Job-Garantie gibt es wohl nur in wenigen Berufen: Wer sich heute dazu entschließt, Erzieherin oder Erzieher zu werden, kann dem Ende der Ausbildung gelassen entgegen sehen. Und das gerade in Berlin.

Nicht nur, dass das Durchschnittsalter von Erziehern hier recht hoch ist und deshalb in den nächsten Jahren Arbeitsplätze frei werden. Ein Volksbegehren des Landeselternausschusses Kita (LEAK) hat dazu geführt, dass das Land Berlin neue Jobs schafft. Erzieher sollen in Zukunft für ein Kind weniger als bisher zuständig sein. Haben sie bisher etwa bei den drei bis sechsjährigen zehn Kinder betreut, sind es demnächst noch neun. Für Kinder dieser Altersgruppe wird es dazu nach und nach einen Anspruch auf einen Teilzeitplatz von fünf bis sieben Stunden geben. Außerdem soll der Besuch der Kindertagesstätten in den kommenden Jahren für alle Kinder beitragsfrei sein. Rund 2000 zusätzliche Stellen für Kita-Fachkräfte bringt das in den kommenden vier Jahren, 1550 davon bereits in den nächsten 14 Monaten. Doch wie macht man sich am besten für diesen wachsenden Arbeitsmarkt fit?

„Wir suchen händeringend vor allem Experten für die Gruppe der Unter-Drei-Jährigen“, kündigt die Pädagogische Geschäftsführerin des Kita-Eigenbetrieb Südwest, Martina Castello, an. „In diesem Bereich haben wir in jedem Jahr rund 100 Kinder mehr als im Jahr zuvor.“ In den knapp 40 Einrichtungen des Verbandes in Steglitz-Zehlendorf und Tempelhof-Schöneberg seien vor allem Erzieher gefragt, die sich im Studium auf diese Altersgruppe spezialisiert und entsprechende Praxiserfahrung gesammelt haben. In naher Zukunft würden insgesamt 63 neue Vollzeitkräfte gebraucht.

Wer es zu seinem Beruf machen will, Kinder zu betreuen, ihre Talente und Fähigkeiten sowie ihr soziales Verhalten zu fördern, muss heute Abitur oder Fachabitur beziehungsweise einen Realschulabschluss plus Ausbildung und mehrjährige Berufserfahrung vorweisen. Die Ausbildung findet in der Regel an Fachschulen oder Hochschulen statt.

„Nanni Sömmer gehört zu den ersten Absolventen des Studiengangs „Erziehung und Bildung im Kindesalter“ an der Berliner Alice-Salomon-Hochschule (ASH). Angeboten wird das siebensemestrige Studium seit 2004. Abiturienten und Fachabiturienten können die Ausbildung als Präsenzstudium absolvieren – Voraussetzung ist ein dreimonatiges Vorpraktikum in einer Kita. „In der Ausbildung gibt es regelmäßige Praxistage“, berichtet Sömmer. Auch bereits berufstätige Erzieherinnen sind unter den Studenten. Sie müssen maximal zwölf Semesterwochenstunden an der Hochschule verbringen. Die Berufspraxis wird auf das Studium angerechnet.

„Im Vergleich zur früheren Erzieher-

ausbildung ist der Bachelor eine qualitative Verbesserung“, sagt Monika Feis von der Bildungsgewerkschaft GEW Berlin. Das Studium vermittele mehr Hintergrundwissen, das sich in der Praxis auszahle. „Ich habe während des Bachelor-Studiums gelernt, pädagogische Situationen und Handlungsmöglichkeiten zu reflektieren“, erklärt Nanni Sömmer. Die Bachelorabsolventin wird demnächst ein Masterstudium anschließen. Danach würde sie gern in der Forschung arbeiten. Damit geht sie einen eher ungewöhnlichen Weg. Viele ihrer Kommilitonen seien nach dem Bachelor gleich in die Praxis eingestiegen, sagt sie.

Im akademischen Angebot gibt es nicht nur grundständige Ausbildungsstudiengänge, sondern auch eine Reihe von Weiterbildungen und Kursen für Erzieher, die ihre Ausbildung bereits hinter sich haben. Über solche Zusatzqualifikationen erwirbt man nicht nur Know-how, man verbessert auch seine Chancen auf eine Leitungsstelle in einer Kita. (Anbieter ist etwa das AHS-Zentrum für Weiterbildung, Internet: www.ash.eu/weiterbildung).

Es gibt einiges, was den Beruf des Erziehers attraktiv macht. „Es gibt wenig Routine und der Arbeitsalltag ist immer sehr lebendig, auch durch die Vielfalt der unterschiedlichen Kinder und Familien, mit denen man zu tun hat“, sagt die Kita-Expertin der Freien Universität (FU) Berlin, Christa Preissing. Zudem sei es im Erzieherberuf üblich, in Teams zu arbeiten, man stehe den Herausforderungen nicht alleine gegenüber. In der täglichen Arbeit bekomme man zudem unheimlich viel von den Kindern zurück. Gewöhnlich werde ein demokratischer Leitungsstil gepflegt. „Außerdem kann man sich den Träger wählen, der am besten zur eigenen Grundeinstellung passt“, so Preissing. Wer der Waldorf- oder Montessori-Pädagogik nahe stehe, könne sich auf diesen Bereich konzentrieren.

Zu den Nachteilen des Berufes zähle die wenig attraktive Bezahlung, gerade wenn man berücksichtige, dass Erzieher heute oft ein Hochschulstudium vorweisen. Eine Erzieherin, die Vollzeit arbeitet, verdient im Schnitt 1800 Euro brutto. Aufbessern kann man das Gehalt bisher nur über eine heilpädagogische Zusatzausbildung. „Andere Weiterbildungen sind bislang noch nicht tarifrelevant, aber wir werden in den nächsten Jahren sicherlich dahin kommen“, sagt Preissing.

Zu den Voraussetzungen, die angehende Erzieher mitbringen sollten, gehören für sie Belastbarkeit und Weltoffenheit: „Man sollte gute Nerven haben und auch in der Lage sein, damit klarzukommen, dass man mit vielfältigen Fragen konfrontiert wird, auf die man selbst noch keine Antwort hat. Zum Beispiel, weshalb es arme und reiche Menschen gibt.“ Erzieher sollten bereit sein, immer dazu zu lernen, auch gemeinsam mit den Kindern. Mehrsprachigkeit oder die Fähigkeit, ein Instrument zu spielen, zu zeichnen oder zu malen, könnten die Erzieherinnen natürlich auch mit in die Arbeit einbringen: Das trage zu einem sehr befriedigenden Arbeitsalltag bei.

VON 0 BIS 12

Die Alice-Salomon-Hochschule bietet ein staatlich anerkanntes, siebensemestriges Bachelor-Studium an, das zur Arbeit mit Kindern von 0 bis zum 12. Lebensjahr ausbildet. Nächster Start ist das Sommersemester 2010. Bis zum 15. Januar kann man sich bewerben. Kosten: keine Studiengebühren; Internet: www.ash-berlin.eu/ebk-ba

MUSISCH ORIENTIERT

An der Fachhochschule für Sozialpädagogik am Oberstufenzentrum Sozialwesen II kann man sich in drei Jahren oder in Teilzeit zum staatlich anerkannten Erzieher mit musischem Schwerpunkt ausbilden lassen. Kosten: keine Gebühren; www.osz-soz.de

WALDORFPÄDAGOGIK

Die Freie Fachschule für Sozialpädagogik Berlin bietet eine staatlich anerkannte Erzieherausbildung mit Schwerpunkt Waldorfpädagogik an. Die nächste Vollzeitausbildung startet im August. Kosten: 200 Euro/Monat. www.freie- fachschule-berlin.info

MEHR DAZU

Weiteres zu Studium und Ausbildung gibt es unter: www.erzieherin-online.de und www.fruehpaedagogik-studieren.de. rni

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