Fernstudium : Ein Plan fürs ganze Semester

Ob Familie, Freunde oder der Sportverein: Wer neben dem Beruf studiert, muss Abstriche machen.

Philipp Eins

Wenn André Wecker von der Arbeit nach Hause kommt, ist noch längst nicht Feierabend. Jeden Tag ab halb fünf sitzt der 33-jährige Beamte vor seinen Studienbriefen – und am Wochenende wird ebenfalls gelernt. Das Fernstudium in europäischem Verwaltungsmanagement an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege Berlin absolviert er neben dem Beruf. 15 bis 20 Stunden pro Woche muss er büffeln. „Hätte ich eine Familie, ginge das nicht“, meint Wecker.

Ob Familie, Freunde oder der Sportverein: Wer neben dem Beruf studiert, muss Abstriche machen. „Komplett auf Freizeit verzichten darf man jedoch nicht“, sagt Sigi Oesterreich von der psychologisch-psychotherapeutischen Beratungsstelle vom Studentenwerk Berlin. Ruhepausen seien zum lernen wichtig. Nach jedem Arbeitstag sollte man mindestens eine Stunde Pause machen, bevor es wieder an den Schreibtisch geht. „Zeitunglesen, Kaffeetrinken oder um den Block gehen – das alles kann zur Entspannung beitragen“, sagt Oesterreich.

Wer anschließend seine Studienaufzeichnungen vorholt, sollte nicht einfach drauflos lernen. „Mit dem Studieren ist es wie mit dem Autofahren“, sagt Zeitmanagement-Experte Lothar J. Seiwert. „Wer von Berlin zum Bodensee fährt, braucht einen guten Plan – genauso wie ein Student, der für die Prüfung lernt.“ Am besten sei es, zunächst einen Übersichtsplan für das gesamte Semester auszuarbeiten, empfiehlt die Psychologin Helga Knigge-Illner. Dort sollte man Lernziele festhalten und sich mit dem Stoff vertraut machen. Auch private Ziele wie Urlaub oder gemeinsame Wochenenden mit der Familie oder dem Partner gehören dort hinein.

„Am Anfang jeder Woche sollte man zusätzlich einen Plan erstellen, in dem man feste Lernzeiten für jeden Tag notiert“, sagt Knigge-Illner. Eine Routine für das Studium einzurichten stärke die Lernbereitschaft. „Dazu sollte man im Wochenplan schriftlich formulieren: Was möchte ich an diesem oder jenem Nachmittag mithilfe von Fachtexten oder Studienbriefen erfahren?“ Es sei wichtig, Prioritäten zu setzen, wichtige von unwichtigen Kapiteln in Fachbüchern zu unterscheiden. Knigge-Illner rät, nach einem langen Arbeitstag eher einfache Tätigkeiten zu machen – zum Beispiel Aufzeichnungen durchgehen, Literaturlisten kontrollieren oder Fragen an den Dozenten formulieren. Schwierigere Lernaufgaben sollte man dagegen am Wochenende bearbeiten.

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