Fortbildung : Viel lernen, wenig zahlen

Wer gut verhandelt, spart Geld. Wie man die Kosten von Seminaren und Workshops drückt.

Sina Tschacher
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Alles muss raus! In einer Großstadt wie Berlin, wo viele Bildungsanbieter miteinander konkurrieren, steigt die Chance auf einen...

Schon seit längerem ärgert sich der PR-Berater Klaus M. darüber, dass er im Gespräch mit Kunden oft nicht so souverän wirkt, wie er es sich wünscht. Und auch im Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten mangelt es ihm häufig an Schlagfertigkeit. Also erkundigt er sich nach Fortbildungen aus dem Bereich „Kommunikationstraining“. Die Kursgebühren lassen ihn allerdings zurückschrecken: Über 400 Euro für ein zweitägiges Seminar sind dem Berliner zu viel.

So wie Klaus M. überlegen viele Arbeitnehmer dreimal, ob sie sich die Investition in ihre Weiterbildung wirklich leisten möchten. Dabei gibt es Möglichkeiten, Kosten zu senken.

GEMEINSAM MIT KOLLEGEN ANMELDEN

Sehr lohnenswert kann es sein, bei den Anbietern nach „Mengenrabatt“ zu fragen. So verlangt etwa die Comelio GmbH, ein Unternehmen, das vornehmlich Seminare aus den Bereichen IT, EDV und „Soft Skills“ anbietet, für das eintägige Seminar zum Thema „Menschenkenntnis“ den stolzen Preis von 500 Euro plus Mehrwertsteuer. Auf telefonische Anfrage, ob es für einen Interessenten auch Ermäßigungen gäbe, heißt es: „Keine Chance, das Angebot ist schon sehr günstig.“ Doch die hartnäckige Nachfrage, wie es denn aussähe, wenn man noch zwei Kolleginnen mitbringt, führt zu einer überraschenden Wendung. „Wenn Sie sich zu dritt anmelden, könnten wir Ihnen das Seminar für etwa 270 Euro pro Person anbieten“, heißt es plötzlich. Ein Preisnachlass von fast fünfzig Prozent – das lohnt sich.

Auch andere Anbieter geben Rabatt, wenn man sich zu zweit oder dritt anmeldet. „Man sollte immer versuchen, zu verhandeln“, sagt Bernd Käpplinger vom Bundesinstitut für Berufsbildung (Bibb). Auch Einzelpersonen, die mehrere Kurse beim selben Anbieter buchen, hätten gute Chancen auf einen Mengenrabatt.

„MEIN CHEF HILFT MIR NICHT!“

Doch auch Einzelpersonen können bei Rabattverhandlungen Erfolg haben. Auf einem großen Markt wie in Berlin, wo viele Anbieter um Teilnehmer konkurrieren, seien die Verhandlungsmöglichkeiten jedes Einzelnen besser als in einer kleineren Stadt, glaubt Bibb-Experte Käpplinger. Beim Berliner Seminarleiter Wolf-Dietrich Groß, der Kurse in Persönlichkeitsbildung anbietet, kommen zum Beispiel Privatpersonen günstiger weg als große Firmen. „Gerade wenn es um Seminare zum Thema Motivation oder Stressbewältigung geht, scheuen viele davor zurück, ihren Arbeitgeber um Unterstützung zu bitten“, sagt Groß. In solchen Fällen lasse er mit sich verhandeln. Vergangenes Jahr zahlten Privatpersonen 95 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer für ein Anti-Stress-Seminar, betriebliche Kunden dagegen bis zu 345 Euro.

VERSCHIEDENE ANGEBOTE EINHOLEN

Bevor man mit einem Anbieter individuelle Verhandlungen beginnt, sollte man sich Angebote von der Konkurrenz einholen und sorgfältig vergleichen. Das zweitägige Seminar “Easy Stressmanagement“ des Anbieters „Personalentwicklung 3000“ kostet beispielsweise knapp hundert Euro. Der Anbieter „Trainersocietät Berlin“, der sich mit seinem Stressmanagement-Seminar explizit an Führungskräfte richtet, verlangt für zwei Tage rund 1130 Euro. Solche Preisunterschiede sind jedoch nicht immer gerechtfertigt. „Besonders Kurse im Konflikt- oder Stressmanagement unterscheiden sich inhaltlich oft kaum“, sagt Richard Gris, Autor des Buchs „Die Weiterbildungslüge“. Hier sei es ratsam, sich vorab die geplanten Seminarinhalte schicken zu lassen und zu vergleichen. Das empfiehlt auch Kirsten Schulze von der Beratungsstelle „Lernladen Pankow“, die viele Arbeitslose über die Finanzierungsmöglichkeiten im Bereich Weiterbildung berät. „Möglicherweise braucht man gar nicht alle Module eines Kurses. In diesem Fall könnte man an den Anbieter herantreten und nach einem Angebot fragen, das individuell auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmt ist und den Preis neu verhandeln“, schlägt sie vor.

GEBÜHREN SCHNELL ZAHLEN

Einige Anbieter, wie zum Beispiel die AHAB-Akademie in Berlin, an der man sich zum Entspannungspädagogen ausbilden lassen kann, bieten den Teilnehmern von sich aus Rabatte an. So kostet die dreitägige Fortbildung zum Stressmanagement-Trainer im Normaltarif 329 Euro. Studenten, Auszubildende und Erwerbslose erhalten den Ermäßigungstarif für 299 Euro. Schnelligkeit wird belohnt: Teilnehmer, die nach der Anmeldung innerhalb von fünf Tagen bezahlen, müssen 299 Euro beziehungsweise 259 Euro investieren. Ein kleiner Rabatt, aber immerhin.

UNTERSTÜTZUNG VOM ARBEITGEBER

Am günstigsten wird die Weiterbildung jedoch, wenn man sich die Kurskosten komplett spart und den Chef zahlen lässt – zumindest einen Teil. Kirsten Schulze vom Lernladen Pankow rät, den Arbeitgeber möglichst frühzeitig über die eigenen Weiterbildungspläne zu informieren und ihn um finanzielle Unterstützung zu bitten. Viele Chefs seien generell bereit, ihre Mitarbeiter zu fördern. „Wichtig ist, dass man dem Arbeitgeber verdeutlicht, welchen Nutzen das Unternehmen von der Weiterbildung hat“, sagt sie. So könne man beispielsweise vorschlagen, das erworbene Wissen an die anderen Mitarbeiter im Unternehmen weiterzugeben. Je plausibler die eigene Argumentation ist, umso eher seien Arbeitgeber bereit, einen Teil der Kosten zu übernehmen.

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