IHK Potsdam : Hundelehrer für 3500 Euro

Die IHK Potsdam bietet eine Fortbildung für Tierfreunde an. Wer Hunde erzieht muss auch Menschen mögen.

Dania Ringeisen (ddp)
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Foto: dpadpa

Jana Penther hört den Ausführungen von Dozent Marcel Gähding aufmerksam zu. Zu ihren Füßen liegt ihre sechsjährige Labradorhündin Ayla. Recht steht auf dem Lehrplan des ungewöhnlichen Kurses in der Industrie- und Handelskammer Potsdam (IHK). Gähding doziert darüber, wann Hunde einen Maulkorb tragen müssen oder wo die Leinenpflicht gilt. Jana Penther ist Bürokauffrau und nimmt an dem bundesweit ersten IHK-anerkannten Lehrgang zum Hundeerzieher und Verhaltensberater teil.

Einen deutschlandweit zertifizierten Lehrgang zu diesem Thema auf die Beine zu stellen – das war das Ziel der IHK. Dazu schloss sie Ende 2007 eine Kooperation mit dem Berufsverband der Hundeerzieher und Verhaltensberater (BHV). Der BHV ist für die Praxis verantwortlich, während die IHK die wirtschaftliche und rechtliche Seite abdeckt. „Es gibt einfach keine vergleichbare Weiterbildung“, sagt Penther.

Insgesamt 15 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet und aus unterschiedlichen Berufen wollen sich hier weiterbilden: So nehmen eine Agraringenieurin aus Nauen, eine Lehrerin aus Sachsen-Anhalt sowie eine Berliner Zahnarzthelferin an den 312 theoretischen Unterrichtseinheiten und den bis zu 500 praktischen Stunden teil.

Alle haben eins gemeinsam: Sie lieben Hunde – egal ob sie Quereinsteiger oder anerkannter Züchter sind. Insgesamt 13 Module umfasst die theoretische Ausbildung. „Von rechtlichen Grundlagen des Tierschutzes über die Anatomie eines Hundes bis zu lerntheoretischem Verhalten werden die Teilnehmer von verschiedenen Dozenten unterrichtet“, erläutert IHK-Teamleiterin Kerstin Poloni.

In praktischen Sequenzen erhalten sie dann Einblicke, etwa wie Trainingseinheiten aufgebaut oder Welpengruppen geleitet werden. „Die richtige Praxis erlernen die Teilnehmer im jeweiligen Praktikumsbetrieb, für den 50 bis 500 Stunden anberaumt sind“, fügt Poloni hinzu. Je mehr Erfahrung die Teilnehmer mitbringen, desto kürzer kann die Zeit in einem BHV-Betrieb werden.

„Die Teilnehmer müssen Fördermitglied im BHV sein“, erläutert Verbandsmitglied und Tierärztin Christiane Wergowski, die am Ende der Weiterbildung die Prüfungen abnimmt. Diese Voraussetzung solle der „Wahrung ethischer Grundsätze“ dienen. Ebenso müssten die Teilnehmer gute kommunikative Fähigkeiten zeigen. „Viele wollen mit Tieren arbeiten, weil sie sich mit Menschen nur schwer auseinandersetzen können“, sagt Wergowski. Als Hundeerzieher müsse man sich jedoch auch mit den Haltern beschäftigen, um diese anzuleiten.

Nur zwei Männer sind bei der Weiterbildung mit dabei. „Etwa 85 Prozent sind Frauen“, bestätigt Wergowski. Über die Gründe kann die Tierärztin nur spekulieren: „Viele Frauen machen aus dem Hobby ihren Beruf, weil sie oft nicht darauf angewiesen sind, davon zu leben“, sagt sie. Männer seien dagegen eher im Hundesport anzutreffen.

Die Kosten der theoretischen Ausbildung liegen bei rund 3500 Euro, pro Stunde im Praktikumsbetrieb werden zudem fünf Euro veranschlagt.

„Ziel soll sein, dass die Teilnehmer später eine Hundeschule leiten können“, so Poloni. Zurzeit dürfe schließlich jeder eine Hundeschule eröffnen. Dementsprechend viele schwarze Schafe gebe es in dem Beruf. Mit der Weiterbildung zum Hundeerzieher und Verhaltensberater solle dieser Entwicklung ein Ende gesetzt und Hundebesitzern eine seriöse Unterstützung im Umgang mit ihren Tieren gegeben werden. Dania Ringeisen (ddp)

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