Karriere : Keine Angst vor Zahlen

Technische Redakteure sind oft Quereinsteiger

246674_0_7d03f43c.jpeg
Wo ist hinten, wo ist vorne? Gebrauchsanleitungen müssen verständlich sein. Foto: dpa

„Auspack und freu“ sowie „beschweren an: wir“ steht in der Bedienungsanleitung für eine elektrische Weihnachtskerze. Ein technischer Redakteur scheint hier nicht am Werk gewesen zu sein. Menschen in diesem Beruf sind für das möglichst gut verständliche Formulieren von Bedienungsanleitungen technischer Geräte zuständig. Ihre Arbeit ist gefragt - nach Angaben der Gesellschaft für technische Kommunikation (Tekom) in Stuttgart sind derzeit rund 4000 Stellen offen.

„Der Bedarf ist ungeheuer groß. Wir können gar nicht so viele Menschen ausbilden, wie benötigt werden“, erzählt Rolf Schwermer von der Fachhochschule Hannover. Auf dem Stundenplan seiner Studenten stehen unter anderem Werkstoffkunde, Physik, Chemie und Elektrotechnik. Seit 1991 werden in Hannover technische Redakteure ausgebildet und jährlich etwa 400 Absolventen gezählt. Die meisten von ihnen haben bereits vorher einen Beruf erlernt.

Unter ihnen sind zum Beispiel Kommunikationselektroniker, die doch etwas anderes machen möchten. Sie können sich aus einer Fülle von Job-Angeboten bedienen, alleine bei der FH in Hannover gehen wöchentlich ein bis zwei Stellenangebote ein. Laut einer Tekom-Umfrage vor fünf Jahren verdienen die meisten technischen Redakteure zwischen 2500 und 4000 Euro brutto.

„So langsam erkennen die Firmen, wie wichtig eine gute Gebrauchsanleitung ist“, erklärt Schwermer den Boom. Denn sie wird in der Regel vom Konsumenten aufgehoben, während der Hochglanzprospekt meist zeitnah im Altpapier entsorgt wird. Der gleichen Meinung ist Gregor Schäfer, Pressesprecher des Berufsverbands Tekom.

In diesen Beruf führen gleich mehrere Wege. Der übliche ist ein drei- bis vierjähriges Studium, zum Beispiel in Hannover, Aalen oder Karlsruhe. Dort gibt es eigenständige Studiengänge, die mit dem Abschluss zum Diplom-Technikredakteur enden. An der FH Bonn-Rhein-Sieg kann Technikjournalismus studiert werden, hier dürfen sich die Absolventen Diplom-Journalist (FH) nennen. Wer bereits einen Studienabschluss hat, kann sich bei einem Aufbaustudiengang einschreiben, zum Beispiel an der FH Gießen-Friedberg oder in Merseburg.

„Weil die Fachhochschulen mit der Ausbildung nicht mehr nachkommen, wurde vor fünf Jahren das Volontariat eingeführt“, sagt tekom-Sprecher Schäfer. Doch nur wenige Firmen bieten eine solche 12- bis 24-monatige Ausbildung an, deutschlandweit gibt es jährlich nur etwa 40 bis 50 Stellen.

Für Abwechslung ist in dem Beruf gesorgt: Das Spektrum der technischen Geräte reicht laut Schäfer „von der Armbanduhr bis hin zum Kraftwerk“. Der technische Redakteur sollte möglichst klar und einfach beschreiben, was das Gerät kann, wie es aufgebaut ist und wie es bedient werden muss. Das setzt voraus, dass er das Gerät selbst bis ins Detail versteht. Noch komplizierter wird es, wenn die Gebrauchsanleitung in mehreren Sprachen gedruckt werden soll. Dann ist der technische Redakteur auch für die Übersetzung verantwortlich. dpa

Weitere Informationen im Internet: www.tekom.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar