KNIGGE FÜR DIE FIRMA Wie Sie im Umgang mit Kollegen alles richtig machen : Gut ankommen

Von der Begrüßung bis zum Smalltalk: Die wichtigsten Regeln in Verwaltung, Bank und Unternehmen

Sabine Hoelper

Die gängigen Klischees sind bekannt: In der Bank nie ohne Schlips, in der Werbeagentur gerne auch mit Tattoo. Aber wie das mit Klischees so ist: Sie stimmen nur manchmal. Das macht es Mitarbeitern umso schwerer, die passende Kleidung zu wählen und den richtigen Ton zu treffen. Genau das aber wird heute mehr denn je verlangt.

„Fachwissen ist das eine“, sagt Imagecoach Anne Kräuchi. Ob man Karriere macht, hänge aber zu einem großen Teil von der sozialen und kulturellen Kompetenz ab. Dazu gehört ein adrettes Äußeres, aber auch die Umgangsformen sollten sitzen. Welches Verhalten passend ist, hängt dabei natürlich von der Branche ab. Ein Kreativer darf in der Regel legerer am Arbeitsplatz erscheinen als ein Beamter. Letztlich aber regelt jedes Unternehmen individuell, was geht und was nicht. Wer Karriere machen will, sollte sich unbedingt daran orientieren.

BEGRÜSSUNG

Freundlichkeit ist in jedem Betrieb das A und O. Und das zeigt sich besonders bei der Begrüßung. Ob Kunden oder Kollegen: Sie haben ein deutlich ausgesprochenes „Guten Tag“ verdient, garniert mit einem Lächeln. Ob die Begrüßung mit Handschlag erfolgt, hängt vor allem von der Person ab, die man begrüßt. Einem wichtigen Kunden wird man die Hand sicher reichen, dem Kollegen eher nicht. Sind mehrere Personen im Raum, gilt aber in jedem Fall, dass man alle auf die gleiche Weise begrüßt. Das leite sich aus der Handkussregel, „küsst Du eine, küsst Du alle“ ab, sagt Stiltrainer Jan Schaumann. Wichtig ist allerdings, die richtige Reihenfolge einzuhalten: Zuerst wird derjenige begrüßt, der in der Hierarchiestufe am weitesten oben steht.

KLEIDUNG

Kostüm oder Jeans – in diesem Punkt unterscheiden sich die Anforderungen der Arbeitgeber enorm. Während in manchen Unternehmen das bauchfreie T-Shirt erlaubt ist, führt anderswo die fehlende Krawatte zur Abmahnung.

Gregor Blach von der Agentur We do communication zum Beispiel lässt jedem Mitarbeiter „freie Hand, wie er sich kleidet“. Vorschriften würden die Mitarbeiter nur in ihrer Persönlichkeit einschränken, findet der Geschäftsführer. Bei der Berliner Volksbank dagegen ist in einer Fibel festgehalten, dass „ein großes Décolleté falsch“ und „ein klassischer Qualitätsschuh richtig“ ist. „Auf die Kleiderordnung legt unser Unternehmen großen Wert“, betont Pressesprecherin Nancy Mönch. Deshalb werden die Mitarbeiter in puncto „Stil und Etikette“ auch geschult.

Wie man sich richtig kleidet, hängt trotzdem weniger von der Branche ab, sondern vielmehr davon, mit welchem Personenkreis ein Mitarbeiter zu tun hat. „Sind Kunden im Haus, sollten die jeweiligen Berater Anzug und Krawatte respektive Kostüm und Bluse tragen“, sagt Blach. Auch in der Senatsverwaltung für Inneres wird unterschieden: „Im Büro des Senators wird Hemd und Krawatte getragen“, sagt Pressesprecherin Nicola Rothermel. In anderen Abteilungen sei dagegen „Jeans der Standard“. Und im Sommer, wenn das Thermometer 30 Grad anzeigt, sind sowohl in der Verwaltung als auch in der Bank ausnahmsweise auch Spaghetti-Träger in Ordnung.

Über alle Branchen hinweg gilt, dass der Kleiderkodex zu beachten ist. Bewerber sind gut beraten, sich vor dem Einstellungsgespräch im Internet die Fotos der Geschäftsführer anzuschauen. „So wie sie sich kleiden, sollte der Bewerber sich ebenfalls anziehen“, rät Kräuchi.

DUZEN ODER SIEZEN

Eine Regel sollte man immer einhalten: Der in der Hierarchie höher gestellte bietet das Du an. Ansonsten gilt, sich den Gepflogenheiten anzupassen. Allerdings: Wenn sich alle duzen, darf man dennoch auf dem „Sie“ bestehen. „In unserem Unternehmen gibt es eine Kollegin, die gesiezt werden will“, sagt die Pressesprecherin der Werbeagentur DDB, Margit Scheller-Wegener. Das würde selbstverständlich respektiert.

SMALLTALK

„Smalltalk ist ein Schmierstoff auf der sozialen und betrieblichen Bühne“, sagt Imageberaterin Kräuchi. Wer Karriere machen wolle, brauche soziale Kompetenz, etwa um Kontakte zu knüpfen und sich zu vernetzen. Und soziale Kompetenz drücke sich dadurch aus, dass man jenseits von Sympathie Menschen, mit denen man beruflich zu tun hat, ein freundliches Wort schenkt. Damit zeige man Interesse am Gegenüber, beschnuppere sich gegenseitig.

Bei der Themenwahl sollte man es allerdings auch bei Oberflächlichem belassen. „Da lauern die bösesten Fettnäpfchen, wenn ein Mitarbeiter Smalltalk etwa mit dem Verbreiten von Indiskretionen verwechselt“, warnt Kräuchi. Quer durch alle Branchen und Unternehmen sollten sich Mitarbeiter folglich mit Lästereien und dem Ausplaudern von Intimitäten zurückhalten. Auch weniger verfängliche private Gespräche sollten wohl dosiert geführt werden.

BETRIEBSFEIERN

„Regel Nummer eins lautet: mitmachen“, sagt Experte Schaumann. Regel Nummer zwei: „Nicht mit einem Familienausflug verwechseln.“ Alkohol sollte man höchstens in Maßen genießen. „Denn dicht sein ist höchst peinlich“, so Schaumann. Agenturchef Blach, der Biertrinken beim gemeinsamen Kneipenbesuch nicht schlimm findet, hat jedoch eine andere Regel aufgestellt: „In der Öffentlichkeit sind Gespräche über Kunden tabu. Sie gehören ausnahmslos in die Firma hinein.“ Schließlich wisse man nie, wer am Nachbartisch lausche.

BESUCH MITBRINGEN

Wenn die Mutter, der Neffe oder der Freund einmal sehen will, wo man den Tag verbringt, muss man den Wunsch nicht abschlagen. In Ordnung geht der Besuch aber trotzdem nur dann, wenn sowohl der Zeitpunkt als auch die Dauer stimmen. Scheller-Wegener von der Agentur DDB meint: .„Ein paar Minuten in der Mittagspause können Verwandte oder Bekannte ruhig vorbeikommen.“

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